Die Roisdorfer Wolfsburg
Eine Erinnerung an "der Wölfe blut'ge Hord"?
Teil 2
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Burganlage auf dem Metternichsberg, Zeichnung von Renier Roidkin ca. 1735, davor in der Ebene erkennbar das Dach des Clarenhofs
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Die
Wolfsburg als barocker Landsitz
Allmählich wurden die Zeiten, zumindest im Erzstift Köln, friedlicher, so dass sich die ländlichen Adelssitze einer nach dem anderen in barocke Schlossanlagen verwandelten. Insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts eiferten die adligen Familien des Vorgebirges den baulichen Aktivitäten nach, welche die Kölner Kurfürsten in Bonn und Brühl entfalteten. So wurde in Alfter, Bornheim, Sechtem, Rösberg und Walberberg eine Burg schöner als die andere in barocker Manier ausgebaut und herausgeputzt. Auch die alte Burg auf dem Metternichsberg erhielt damals ein neues Gesicht: Man versah dort nicht nur die Hauptburg mit einem modischen Mansardendach, sondern legte auch einen großzügigen Park an, den man mit wertvollen exotischen Bäumen schmückte.
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Auf der neu erworbenen Wolfsburg muss Johann Jakob von Walbott-Bassenheim-Bornheim alsbald Baumaßnahmen in Angriff genommen haben. Diese bestimmen bis heute, neben dem Umbau des Werner von Wolff-Bergheimerdorf von 1626, ganz wesentlich das Erscheinungsbild der Anlage. Die Veränderungen am Haupthaus waren indes eher zurückhaltend. Er behielt die Dach- und Giebelformen der Spätrenaissance bei und ließ lediglich, um der Anlage eine gefälligere Wirkung zu geben, die Fenster des Gebäudes ringsum auf eine einheitliche Größe und Form bringen. An manchen Stellen kann man im Mauerwerk noch immer die Entlastungsbögen und sonstige Reste der vor- und frühbarocken Fensteröffnungen erkennen. Es entstand auch das heutige Portal des Haupthauses, in dessen Oberlicht das vorhin erwähnte eheliche Allianzwappen zu sehen ist.
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Portal und Fenster der Wolfsburg vom Umbau nach 1721
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Barockes Torhaus der Wolfsburg
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Das
gleiche Allianzwappen schmückt auch die Wetterfahne auf dem Torhaus der
Vorburg, denn diese wurde
damals wohl weitgehend auf den mittelalterlichen Fundamenten, aber doch
in völlig veränderten Formen neu errichtet. Das Torhaus, das von einem
hübschen Mansardendach bedeckt wird, bildet das am repräsentativsten
gestaltete Element der Vorburg, was sich daraus erklärt, dass sich der
Besucher der Burg damals vor allem von Osten, also von der Bonner Straße
aus, und nicht, wie heute, vom Siefenfeldchen aus näherte.
Man hat aufgrund der aufwändigen Form des Torhauses vermutet, dass es sich um ein Werk des Architekten Johann Georg Leydel (1721-1785) handle, wie der Landadel auch andernorts gerne die an den kurfürstlichen Bauten der Umgebung tätigen Baumeister für die Umbauten der eigenen Burgen verpflichtete, doch ist dies im Fall der Roisdorfer Wolfsburg kaum möglich, da das Torhaus bereits auf der Zeichnung von Renier Roidkin (1684-1741) aus der Mitte der 1730er Jahre deutlich erkennbar ist.
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Weiteres, zumindest in seinen äußeren Formen erhaltenes Element der neu errichteten Vorburg ist die große, im Süden gelegene Scheune, deren barocker Charakter durch das vom Mansardendach abgeleitete angedeutete Walmdach bewirkt wird. Diese Dachform findet sich auch an manchen Bauernhäusern des Vorgebirges aus dieser Zeit. Ein Walmdach wies einst auch das nördliche Gegenstück zum Scheunenbau auf, ein Gesindehaus, das heute fehlt, so dass die ursprüngliche Symmetrie der Anlage leider empfindlich gestört wird. Es handelte sich hierbei um ein stattliches Fachwerkgebäude, das indes etwas geringer dimensioniert war als der Scheunenbau. Da es in den benachbarten Teich zu rutschen drohte, wurde es 1837 abgetragen. Hierzu unten mehr.
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Scheune der Wolfsburg mit Fischweiher
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Landwirtschaft im 18. Jahrhundert
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Natürlich
residierten die Inhaber der Herrlichkeit Bornheim, Herren von
Walbott-Bassenheim-Bornheim, nicht auf der Wolfsburg, sondern auf der
schlossartig ausgebauten Bornheimer Burg. Die Wolfsburg wurde, wie dies
üblich war, landwirtschaftlichen Pächtern überlassen, sog. Halfen
oder Halfwinnern - ein Begriff, der sich von der Ablieferung der Hälfte
der Erträge an die Verpächter herleitet.
Für das Jahr 1730 ist die Verpachtung der Wolfsburg an die Eheleute Gerhard Walraff bezeugt. Diese bewirtschafteten allerdings nur einen geringen Teil der zur Wolfsburg gehörenden Ländereien samt Weingärten und Busch selbst. Der größte Teil wurde an verschiedene Landwirte in Roisdorf und Bornheim weiterverpachtet.
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Von dem Halfenpaar Walraff ging die Pacht der Wolfsburg an deren Tochter Catharina über, die mit einem Johannes Rodt verheiratet war. Catharina und Johannes besaßen als Eigentum einen Hof in der Brunnenstraße, der erst Anfang der 1990er Jahre wegen Baufälligkeit abgetragen wurde. Eine Inschrift über der Eingangstüre nannte dort das Ehepaar Rodt/ Walraff als Erbauer und das Jahr 1787 als Erbauungsjahr. Johannes Rodt starb übrigens 1795 in den der französischen Revolution folgenden Kriegen, wobei eine zeitgenössische Notiz vermerkt, dass er sich durch Schrecken einen frühen Tod zugezogen habe. Als Halfen auf der Wolfsburg gehörten die Walraff/ Rodts zu den reichsten und angesehensten Bewohnern Roisdorfs – ähnlich den Halfen des benachbarten Clarenhofs, der Familie Cronenberg/ Kuhl/ Bergerhausen, oder auch der Halfenfamilie Klein auf dem Dietkirchener Hof im Oberdorf. Auch hier gingen die Pachtverträge, die stets auf zwölf Jahre befristet waren, von einer Generation zur nächsten über, wobei sich der Name der Familie bisweilen durch Einheirat änderte.
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Ansicht des Haupthauses von Süden
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Karte der Herrlichkeiten Bornheim und Alfter im 18. Jahrhundert, Lage der Wolfsburg blau markiert
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Der
Streit um die "Koppeljagd"
Die Wolfsburg war zwar innerhalb der Grenzen der Herrlichkeit Alfter gelegen, doch stieß sie direkt an die Herrlichkeit Bornheim an. Diese Lage sowie die Tatsache, dass sie ab 1721 dem Bornheimer Burgherrn gehörte, musste auf Dauer zu Spannungen zwischen den benachbarten Herrlichkeiten bzw. ihren Inhabern, den Bornheimer Freiherren von Walbott-Bassenheim und den Alfterer Grafen von Salm-Reifferscheidt-Dyck führen. Solche Streitigkeiten um Hoheitsrechte des einen über im Gebiet des anderen liegenden Besitztümer hatte es bereits in der Zeit um 1500 gegeben. Damals hatten die Alfterer Grafen Besitzungen am "Ludenschorn" genannten Hang des Siefenfeldchens, die bereits im Gebiet der Herrlichkeit Bornheim lagen, im Rahmen eines Bannbegangs einfach annektiert und damit die Grenze zwischen Alfter und Bornheim, die ursprünglich durch die Wolfsschlucht verlief, um mehrere 100 Meter nach Norden verschoben. Hier befindet sich die Grenze zwischen Roisdorf und Bornheim heute noch.
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Nun, in den frühen 70er Jahren des 18. Jahrhunderts, holten die Bornheimer sozusagen zum Gegenschlag aus. Vordergründig ging es um die Frage der Koppeljagd, also der Jagdrechte, die der Bornheimer Burgherr Clemens August von Walbott-Bassenheim als Eigentümer der Wolfsburg in dem sie umgebenden Gebiet, mithin innerhalb der Alfterer Herrlichkeit, beanspruchte. Wie er 1772 dem Alfterer Grafen schrieb, stehe ihm „hinsichtlich des Rittersitzes Roisdorf ... zweifelsfrei die Koppeljagd bis hinter seine Wolfsburg zu“, die Jagd sei „der Roisdorfer Burg, genannt Wolfsburg, anklebig“. Der Alfterer Graf bestritt dies vehement, sah er hierin doch zutreffend einen tiefen Eingriff in seine hoheitlichen Rechte. Wenn sich die Auffassung durchsetzen sollte, dass die Wolfsburg „die Roisdorfer Burg“, gar ein „Rittersitz“ war, so war sie womöglich überhaupt kein Teil der Alfterer Herrlichkeit mehr.
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Jagd im 18. Jahrhundert
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Wappen des Hochmeisters Paul von Rusdorf
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Es
kam zum Prozess. Der Graf berief sich auf das im Jahre 1623
aufgezeichnete Alfterer Weistum, dem zufolge die damals befragten Schöffen
geäußert hatten, dass „ der Herrn von Roisdorf Stock- und
Stammgüter, so ganz verfallen (seien),
und es sei nicht mehr wissig, wer des Herrn von Roisdorf Gut hat.“ Der
Graf folgerte: „Kein Mensch weiß mehr, wo die Roisdorfer Burg
gestanden hat“. Wenn dem so war, dann konnte die Wolfsburg eben
nicht ritterlicher Sitz der Herren von Roisdorf und damit die Roisdorfer
Burg sein.
Nun dürfte es sich bei den verfallenen Gütern des Herren von Roisdorf, von denen das Weistum spricht, um den sog. Sterffelshof auf dem Donnerstein gehandelt haben, der zur Zeit des Weistums den auf dem Brucher Hof/Wolfsburg residierenden Herren von Wolff-Bergheimerdorf gehörte, was - entgegen der Darstellung des Weistums - durchaus bekannt gewesen sein dürfte. Offenbar sahen diese sich aufgrund dieses Eigentums als legitime Nachfolger der Roisdorfer Ritter und betrachteten ihren eigenen Wohnsitz, den Brucher Hof, als „adligen Sitz“. Als solcher wird er ja auch in der die Verhältnisse der Zeit Wilhelms von Wolff wiedergebenden Güterbeschreibung von 1733 bezeichnet. |
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Die Begründung der Alfterer Grafen war mithin schwach. Der Bornheimer Burgherr konnte bessere Argumente vorweisen. Zum einen brachte er mehrere Zeugen, Bornheimer Jäger und Fasanenmeister, dafür bei, dass die Koppeljagd der Besitzer der Wolfsburg seit jeher von den Alfterer Grafen ungehindert gewesen sei. Entscheidend wurde indes, dass die kurkölnische Hofkanzlei eine Bescheinigung ausstellte, der zufolge, „... die Herren Wilhelm und Werner von Wolffen und Johann Jacob und Klemens von Walbott wegen der Wolfsburg seit Vordenklichem gemäß den Landtags Verfölgeren von 1595 bis 1763 Jagdrecht haben“. Schließlich musste auch der Vogt des Alfterer Grafen zugestehen, dass in den Kurkölnischen Matrikeln die Wolfsburg als landtagsberechtigter Rittersitz eingetragen sei. Damit hatte sich der Bornheimer Burgherr durchgesetzt und so erging 1773 der Befehl, dass die Roisdorfer Koppeljagd des Herrn von Bornheim geschützt werde. Dies bedeutete jedoch, dass aber auch die Wolfsburg de facto aus der Herrlichkeit Alfter herausgelöst und der Herrlichkeit Bornheim eingegliedert wurde. "Die Burg Wolfsburg bei Roisdorf ist zwar auf Grundstücken der Herrschaft Alfter erbaut, aber auch ganz aus dem Verband der Herrschaft getrennt worden", sollte dementsprechend korrekt später der erwähnte "Rheinische Antiquarius" angeben.
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Wolfsburg von Osten nach Roidkin, ca. 1735
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Revolutionstruppen auf Bonner Markt
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Der
Streit um die Koppeljagd ist nicht nur besitzgeschichtlich oder
kulturhistorisch interessant, sondern vor allem darum, weil er in die
Vorgeschichte der verwaltungsmäßigen Abtrennung Roisdorfs von Alfter
und der Zuweisung zur Bürgermeisterei Waldorf/ Bornheim im Jahre 1798
gehört. Diese vollzog sich zwar bereits unter der französischen
Besatzung, doch hieß der erste von den Franzosen eingesetzte Maire,
d.h. Bürgermeister, von Waldorf, nicht von ungefähr Max Friedrich
Freiherr von Walbott-Bassenheim und er war der vormalige Bornheimer
Burgherr, Sohn des Clemens-August von Walbott-Bassenheim.
Vielleicht überspitzt kann man sagen, dass, wäre der Streit um die Koppeljagd bei der Wolfsburg zugunsten der Alfterer Grafen ausgegangen, Roisdorf heute nicht zur Stadt Bornheim, sondern zur Gemeinde Alfter gehören würde. |
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Restaurationsbetrieb in der Wolfsburg Damit sind wir nun im 19. Jahrhundert angekommen, in der die Wolfsburg gänzlich anderen Bestimmungen als bisher zugewiesen werden sollte. Als letzte Vertreterin der Familie von Walbott-Bassenheim lebte hier die Äbtissin Maria Felicitas Augusta, die von den Franzosen aus ihrem Stift St. Quirinus in Neuß vertrieben worden war und bei ihrem Bruder Max Friedrich Zuflucht gefunden hatte. Bei ihr auf der Wolfsburg lebte ein vormaliger Neußer Kanonikus namens Max Friedrich Kux. Die Äbtissin starb im Alter von 68 Jahren und fand standesgemäß in der Alfterer Pfarrkirche St. Matthäus ihre letzte Ruhestätte. In der Folge gerieten die Angehörigen der Familie Walbott-Bassenheim-Bornheim in einen jahrelang währenden Erbstreit um die Besitzungen in Bornheim, Roisdorf und Olbrück, die mit einem Verkauf endeten. Die Wolfsburg war nun kein adliger Rittersitz mehr, sie wurde bürgerlich: Man veräußerte sie an einen Kölner Grundstücksmakler, den Geheimrat Wilhelm Butte.
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Maria Felicitas Augusta von Walbott-Bassenheim zu Bornheim, Äbtissin von St. Quirinus in Neuss
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Roisdorfer Mineralbrunnen um 1826
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1826
erwarb sie ein Mann, der sich vielfältig als Geschäftsmann und als
Politiker betätigte: Der aus Elberfeld stammende Gerhard von Carnap,
dem auch die Bornheimer Burg gehörte und der Bürgermeister der
Gemeinde Waldorf/ Bornheim wurde, zudem später Präsident des preußischen
Provinziallandtags in Düsseldorf.
Von Carnap pachtete zudem den Roisdorfer Brunnen von den Alfterer Fürsten zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, um mit großem Aufwand die Umwandlung Roisdorfs zum Kurort zu betreiben. So errichtete er ein Kurhaus an der Bonner Straße, daneben ein Hotel und eine Restauration. Parallel zur Brunnenallee ließ er eine Lindenallee anlegen, wandelte er das sumpfige Gelände in einen Lustgarten mit Springbrunnen, Tempel mit Affen und Konzertpavillon um - bis heute „In der Lüste“ genannt. Der hochmoderne Bahnhof der neuen Bonn-Cölner-Eisenbahn in der Verlängerung der Brunnenallee sollte ab 1843 Kurgäste bequem nach Roisdorf bringen.
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Der Wolfsburg war eine wichtige Rolle im Ausbau Roisdorfs zum Kurort zugedacht. In ihr richtete von Carnap einen Restaurationsbetrieb ein und so finden sich in der Bonner Zeitung dieser Zeit Ankündigungen von Konzerten und Reitturnieren bei der Burg, mit denen die Gäste unterhalten werden sollten. Johann Bernartz aus Roisdorf betreute damals die Restauration, die sich alsbald großer Beliebtheit erfreuen sollte. Häufiger
und prominenter Besucher der Wolfsburg war damals der Bonner
Geschichtsprofessor und Publizist Ernst Moritz Arndt, der
manch freundliches Wort über Roisdorf und seine Mineralquelle fand.
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Ernst Moritz Arndt
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Hofhund "Lex" - gottlob alles andere als ein Wolf
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Aus
der Zeit von Carnaps ist uns eine Ballade in 24 Strophen überliefert,
die der Hauslehrer seiner Kinder, ein Kandidat der Theologie namens
Friedrich Bleeckmann, gedrechselt hat und in der die alte Sage von der
Vorgeschichte der Erbauung der Wolfsburg wiedergegeben wird.
Der Name "Wolfsburg" wird hier auf die glückliche Errettung des Kindes eines Bornheimer Ritters - gemeint ist wohl der Ritter Wilhelm von Schilling gen. Bornheim im späten 12. Jahrhundert - aus den Fängen eines Wolfes zurückgeführt. Das ganze ist zwar völlig unhistorisch, aber romantisch-gruselig zu lesen. Hier
der Text der "Sage von der Wolfsburg".
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Gerhard von Carnap geriet schließlich jedoch in arge finanzielle Schwierigkeiten. Die Schulden wuchsen ihm über den Kopf, so dass er die Pacht des Brunnens aufgab und sich ganz aus Roisdorf zurückzog. Große bauliche Veränderungen erfuhr die Wolfsburg zu seiner Zeit, wie überhaupt im 19. und 20. Jahrhundert, nicht mehr. Umbauten betrafen vor allem das Innere des Haupthauses, wo z.B. eine neue Treppenanlage eingebaut wurde. Die markanteste Veränderung stellt der erwähnte Abbruch des Gesindehauses der Vorburg dar, das 1837 als Schulhaus in der Brunnenstraße wieder aufgebaut wurde. Mehr zu diesem ersten Roisdorfer Schulhaus finden Sie hier. Eine ungewöhnliche Nutzung der Wolfsburg in dieser Zeit soll noch erwähnt werden: Der mit dem Verkauf der Carnap'schen Güter betraute Kölner Makler Kauffmann ermöglichte es 1860 der Bornheimer evangelischen Gemeinde, ihre Gottesdienste im bisherigen Tanzsaal der Wolfsburg abzuhalten.
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Gesindehaus der Wolfsburg als Roisdorfer Schulhaus
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Haus Wittgenstein 2002
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Das
landwirtschaftliche Gut der Familie Rech
Die Wolfsburg übernahm schließlich im Jahre 1860 der Kölner Heinrich von Wittgenstein. Dieser erfolgreiche Geschäftsmann, den man auch als "Beherrscher des Kölner Klüngels" bezeichnete, hatte sich bleibende Verdienste u.a. als erster Präsident des Festkomitees Kölner Karneval und als Vorsitzender des Kölner Dombauvereins erworben. Seiner Familie gehörte seit 1789 auch die alte Roisdorfer Höhenburg auf dem Metternichsberg, die Heinrich von Wittgenstein vor 1845 vom Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner zu einer eleganten Sommervilla im klassizistischen Stil, zum heutigen Haus Wittgenstein, hatte ausbauen lassen. Damit waren Wolfsburg und Metternichsberg/ Haus Wittgenstein nun erneut und letztmals in den Händen einer einzigen Familie.
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Die Wolfsburg wurde nach der Aufgabe des Restaurationsbetriebs wieder landwirtschaftlich genutzt. Nachdem sie zunächst von einem gewissen Heinrichs gepachtet worden war, übernahm 1862 der Roisdorfer Landwirt Wilhelm Rech das Anwesen, wobei als Pachtzins für die Burg und die dazu gegebenen sechs Cölnischen Morgen Land jährlich 96 Thaler vereinbart wurden. Wilhelm Rech, ein Sohn des Johann Rech und der Christine Schmitz aus der Brunnenstraße sollte von 1888 bis 1908 Ortsvorsteher von Roisdorf sein. Er kaufte 1888 die Wolfsburg von Heinrich von Wittgenstein, und mit ihr 10 Cölnische Morgen Land, zum Preis von 30,787 Mark. Im Besitz der Familie Rech ist die Wolfsburg bis zum heutigen Tag geblieben.
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Familie Rech um 1895
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Die Wolfsburg nach einem Gemälde von 1895
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Übrigens
verdanken wir einen Großteil dessen, was wir heute über das Leben der
Menschen in Roisdorf im 19. Jahrhundert wissen, der von Wilhelm Rech um
1910 auf der Wolfsburg niedergeschriebenen Chronik.
Von Wilhelm Rech, den man auf seinem Totenzettel von 1914 stolz als „Gutsbesitzer auf der Wolfsburg in Roisdorf“ bezeichnete, ging das Anwesen an dessen Kinder über. Die unverheirateten Geschwister Heribert, Agnes und Franz führten dort über Jahrzehnte die Landwirtschaft fort. Nach ihrem Willen sollte es ihr Neffe Heribert sein, Sohn des Johann Rech, des Eigentümers der Gastwirtschaft „Zur Wolfsburg“ an der Ecke Brunnenstraße/ Lindenberg und zeitweiligen Roisdorfer Ortsvorstehers, der das Erbe der Wolfsburg antreten und die landwirtschaftliche Familientradition dort fortsetzen sollte.
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Bei den Roisdorfern ist Heribert Rech, gestorben 1995, bis heute in guter Erinnerung, war er doch in vielfältiger Weise für das Wohl des Ortes engagiert, sei es im Zusammenhang mit der Roisdorfer Obst- und Gemüseversteigerung oder der Spar- und Darlehenskasse, aber auch etwa bei der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft. Sein Sohn Wilhelm engagiert sich in gleicher Weise für das Gemeinwohl, sei es bei der Schützenbruderschaft, den Musikfreunden Roisdorf oder in der Kommunalpolitik.
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Hoffront der Wolfsburg, 1930er Jahre
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Wolfsburg in der Baumblüte, 1930er Jahre
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Die Familie Rech hat insbesondere in den letzten Jahrzehnten viel für die Erhaltung und stilgerechte Wiederherstellung der Wolfsburg getan. Kriegsschäden durch Granateneinschlag bei den Seitengebäuden des Torhauses wurden beseitigt und das Dach des Haupthauses neu eingedeckt. In den 1960er Jahren musste die Scheune zur Hälfte wegen Einsturzgefahr abgetragen werden, doch baute man sie in den alten Formen wieder auf. Ebenso festigte man das zum Teil marode Mauerwerk der Hauptburg durch eine neue Ausfugung, wobei man es vermied, die Spuren früherer Bauphasen zu tilgen. Ein großer Teil des zur Bonner Straße hin gelegenen, landwirtschaftlich genutzten Geländes wurde in den 1970er Jahre verkauft und - architektonisch nicht unbedingt einfühlsam - mit dem sog. "Wohnpark Wolfsburg" bebaut. Einige der letzten größeren baulichen Aktivitäten waren die Belegung des Burghofs mit Steinen und die Errichtung des malerischen Brunnens, gefertigt aus einer alten Ölmühle, in der Mitte des Burghof, sowie die Wiederherstellung der Fensterläden, die ganz wesentlich das historische Erscheinungsbild der Burg unterstreichen. Nicht zuletzt sind die eingangs erwähnten schmucken Eisengitter zu nennen, die das Anwesen, das heute ausschließlich Wohnzwecken dient, seit dem Jahr 2000 umzäunen.
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Vom wehrhaften "Brucher Hof" des Spätmittelalters über den adligen Rittersitz der frühen Neuzeit, den Restaurationsbetrieb und das landwirtschaftliche Gut des 19. und 20. Jahrhunderts vollzog die Roisdorfer Wolfsburg somit eine wechselvolle Entwicklung bis zum heutigen repräsentativen Wohnsitz. Dank des Einsatzes vieler aufeinander folgender Generationen für den Erhalt des wertvollen Baudenkmals wurde es möglich, dass die letzte Strophe der romantischen Ballade der Wolfsburg bis heute unverändert gilt: Zwar ist der Wölfe blut'ge Hord,Seit langem ausgetrieben. Doch ist der Jäger Ruheort, Die Wolfsburg noch geblieben; Seht wie sie freundlich zu sich winkt, Am Abend wenn die Sonne sinkt!
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Wolfsburg vom Siefenfeldchen aus gesehen, 2006
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