Die Roisdorfer Wolfsburg
Eine Erinnerung an "der Wölfe blut'ge Hord"?
Teil 1
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Unter den historischen Baudenkmälern Roisdorfs ragt die ehemalige Wasserburg "Wolfsburg" hervor, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch nördlich des Ortes frei in der Niederung des Siefenfeldchens gelegen war. Heute ist sie von moderner Bebauung umschlossen, doch wahrt sie sich mit ihrem umfangreichen, von einem schönen neuen Gitter zum Siefenfeldchen hin abgeschlossenen Parkgelände immer noch den ihr zustehenden, eigenen Raum. Der Name der "Wolfsburg" war seit jeher Anlass zu Mutmaßungen über ihren Ursprung und so soll dieser gemäß einer alten Sage auf "der Wölfe blut'ge Hord" zurückgehen, die vor urdenklichen Zeiten das Vorgebirge unsicher machte. Die historische Wahrheit ist zweifellos weniger schaurig doch harrt die viel hundertjährige und wechselvolle Geschichte der Burg immer noch einer gründlicheren Erforschung. Diese kann auch hier nicht geleistet werden, doch sei das, was zur Zeit mit einiger Sicherheit über die Vergangenheit der Wolfsburg gesagt werden kann, im Folgenden kurz zusammengefasst.
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![]() Hoffront der Wolfsburg
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![]() Ansicht
Roisdorfs von Renier Roidkin,
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Die Wolfsburg als wehrhafte Wasserburg Obwohl Roisdorf stets nur ein bescheidenes Dörfchen am Fuß des Vorgebirges darstellte, war die Wolfsburg doch keineswegs die einzige hier befindliche Burg. Gleich drei Burganlagen gab es im Mittelalter und der frühen Neuzeit – neben der Wolfsburg als Wasserburg noch zwei Höhenburgen, die Burg der ritterlichen Herren von Roisdorf auf dem Donnerstein und die Burg der Familie von Metternich auf dem Metternichsberg, an der Stelle des heutigen Hauses Wittgenstein. Mehrere Burgen in einem Dorf finden sich auch an anderen Orten des Vorgebirges, wobei die Dichte der Burgen durch die besondere Fruchtbarkeit des Bodens bedingt war: Je ertragreicher eine Landschaft, desto mehr musste man sich gegen umherziehende räuberische Horden und Kriegsleute schützen, desto enger rückten daher die Burgen aneinander. Ursache sind aber auch die vielfältigen und kleinteiligen Herrschafts- und Besitzverhältnisse am Vorgebirge. Erst allmählich bildeten sich Herrlichkeiten und Ämter als feste herrschaftliche Strukturen heraus. Aus den Höfen begüterter Familien wurden befestigte Sitze, von denen aus landesherrliche Funktionen ausgeübt wurden, andererseits konnten Burgen nach dem Verlust dieser Funktionen auch wieder zu einfachen Gehöften herabsinken.
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Dass die Wolfsburg früher eine von Wassergräben umgebene Anlage war, ist noch heute zu erahnen, wenn man sich ihr - und dies ist auch der historische Zugang - von Osten her nähert und den Alfter-Roisdorfer Bach, den sog. Mühlenbach, überquert. Zwar ist die kleine Brücke noch recht neu und verläuft der Bach erst seit wenigen Jahrzehnten so unmittelbar an der Wolfsburg vorbei, doch kann man sich gut vorstellen, dass der Bach einst aufstaut bzw. in Gräben ganz um die Burg herum geleitet wurde. Vor der baulichen Erschließung des Gebiets zwischen Bonner Straße und Siefenfeldchen ab den 1960er Jahren war die Lage der Wolfsburg in der feuchten Niederung vor dem Vorgebirgshang, Teil des von Bonn bis Brühl sich hinziehenden verlandeten Rheinarms, der sog "Gumme", noch weit besser erkennbar. Südlich der Burg breitete sich ein undurchdringliches Sumpfgebiet namens „Lüüsch“ aus. |
![]() Wolfsburg von der Bachseite
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![]() "Alter Weiher", Wolfsburg am linken Rand zu sehen
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Nördlich an die Wolfsburg anschließend gab
es bis in die 1920er Jahre den sog. „Alten Weiher“, der bis zum Gelände des heutigen Bornheimer Schwimmbads
reichte. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnt, diente der in der
Barockzeit geometrisch angelegte Weiher bis ins 19. Jahrhundert hinein der intensiven Fischzucht. Mehr zu Grippekoven finden Sie hier.
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Die Wolfsburg verkörpert den Urtyp der rheinischen Wasserburgen in vorbildlicher Weise, den man bereits bei den frühmittelalterlichen Motten finden kann. Charakteristisch ist nämlich die Unterteilung in Vor- und Hauptburg: Die hufeisenförmige Vorburg als Wirtschaftshof, mit einem Wassergraben von der Hauptburg getrennt, aber von ihr einsehbar. Die Vorburg diente der Aufnahme von Vorräten und der Unterbringung der Pferde und des Viehs sowie des Gesindes bzw. des Trosses. Die Hauptburg fungierte als Wohnsitz des Burgherrn und im Ernstfall als letzte Rückzugsmöglichkeit der Verteidiger. Wir sehen also auch bei der Wolfsburg die Hauptburg deutlich getrennt von den vorgelagerten Wirtschaftsgebäuden der Vorburg, auch wenn der nördliche Flügel der Vorburg heute fehlt. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Hauptburg und Vorburg von eigenen Wassergräben umgeben, waren beide Teile der Burg mit einer Brücke, wohl mit ehemals einer Zugbrücke, miteinander verbunden.
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![]() Haupthaus
mit Vorburg,
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![]() Belagerung der Burg Poppelsdorf im Truchsessischen Krieg
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Die
Verteidigungs- und Schutzfunktion der Wolfsburg dürfte man in Kriegszeiten, die in Spätmittelalter und früher Neuzeit keineswegs selten
waren, gerne genutzt haben. Als Beispiel sei etwa das Jahr 1468 genannt.
Damals waren es die Truppen des Erzbischofs Ruprecht von der Pfalz, die Alfter
abbrannten und wohl auch Roisdorf nicht verschonten, 1474 waren es die Kölner
Bürger, die durch ihre Söldner die Orte von Brühl bis Bonn niederbrennen ließen. Im sog. Truchsessischen Krieg 1583 überfielen die Anhänger des wegen
des Übertritts zum Protestantismus abgesetzten Erzbischofs Gebhard Truchsess
von Waldburg die Herrlichkeit Alfter, zu der auch Roisdorf gehörte, raubten die
Bewohner aus und brannten anschließend alles nieder. Ob damals die Wolfsburg
regelrecht belagert wurde, wie dies bei der Burg Poppelsdorf bei Bonn der
Fall war, ist nicht bekannt aber durchaus möglich.
Neben den offiziellen Kriegszügen gab es zu allem Überfluss immer wieder Übergriffe von marodierenden Freibeutern, die das Land unsicher machten. Auch hier dürften die Wassergräben und massiven Mauern der Wolfsburg gute Dienste geleistet haben. |
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Bauliche Entwicklung Mittelalterliche Burgen wurden in der Regel aus den Materialien gebaut, die man vor Ort vorfand. Sie aus Stein zu errichten, war für eine steinarme Gegend wie das Vorgebirge meist zu kostspielig. Die Burgen hier, seien es Höhen- oder Wasserburgen, bestanden daher noch bis weit in hohe Mittelalter hinein weitgehend aus Holz bzw. Fachwerk. Ab dem 13. Jh. ging man zum Backsteinbau über. Anlagen aus Holz wurden mit Backsteinmauern verstärkt, Fachwerk statt mit Lehm ausgefüllt nun mit Backsteinen ausgemauert. Ab dem 14. Jh. setzte sich der Backsteinbau dann vollständig durch. Lediglich für besondere architektonische Gliederungen wie Fensterrahmungen, Portaleinfassungen, Kamineinfassungen oder Eckquaderungen nahm man Haustein. Die Burgen waren in der Regel verputzt, um so dem Gegner nicht Schwachstellen der Mauern zu offenbaren. Dies ist auch für die Wolfsburg anzunehmen, die von vornherein als Backsteinbau errichtet worden zu sein scheint. |
![]() Backstein und Haustein am Torhaus der Wolfshurg
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1. Bauphase: Wohnturm
2. Bauphase: Winkelbau
3. Bauphase: Dreiflügelbau 1626
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Auch bei der Wolfsburg lässt sich die Entwicklung gut ablesen, die sich an manchen Burgen der Umgebung findet: Entsprechend dem Fortschritt der Waffentechnik im späten Mittelalter, d.h. der Einführung der Armbrüste, wurden an die einfachen rechteckigen Wohntürme seitliche Flügel angebaut, von denen aus man die Flanken des Gebäudes besser bestreichen konnte. Es entstanden so zunächst zweiflüglige, hakenförmige Anlagen, die später zu drei- oder vierflügligen Anlagen erweitert wurden. Erhaltene Baufugen der Hauptburg der Wolfsburg lassen erkennen, dass deren südwestliche Ecke den ältesten Teil der Anlage bildet. Von diesem schlichten quadratischen oder rechteckigen Wohnturm haben sich große Teile im aufgehenden Mauerwerk erhalten. Der Wohnturm wurde später zu einem Winkelbau
ausgebaut, wahrscheinlich mit einem Treppenhaus im inneren Winkel, wie er bei
anderen Burgen der Umgebung bis heute erhalten geblieben ist. Bei der Wolfsburg blieb man aber dabei nicht stehen, vielmehr wurde der Winkelbau schließlich durch die Einstellung der südöstlichen Ecke zu dem Dreiflügelbau auf quadratischem Grundriss ausgebaut, den wir heute noch sehen.
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In welche Zeit die früheren Um- und Ausbauten zu datieren sind, könnte allenfalls eine detaillierte Bauaufnahme ermitteln, die jedoch bis heute aussteht.
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Jahreszahl 1626
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![]() Burg der Alfterer Grafen
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Der "Brucher
Hof"
Damit kommen wir zu der Frage, in welcher Zeit die Wolfsburg erstmals erbaut wurde. Leider gibt es hierzu keine zeitgenössischen Quellen. Der „Rheinische Antiquarius“, eine von Johann Christian von Stramberg ( 1785-1868) in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte Sammlung von Nachrichten zu rheinischen Adelsgeschlechtern, gibt an, dass die Herren von Wolf, aus Bergheimerdorf (heute Bergheim an der Erft) den Grund und Boden für den Bau der Wolfsburg erwarben, als Johann von Wevelinghoven Herr von Alfter war. Nun war zwar niemals ein Johann von Wevelinghoven Herr von Alfter, doch ist wohl gemeint Wilhelm von Wevelinghoven, der vor 1418 die Alfterer Erbtochter Ricarda heiratete und so in den Besitz von Schloss und Herrlichkeit Alfter samt dem Kölner Erbmarschallamt kam. 1461 ging all dies an seine Tochter Irmgard und seinen Schwiegersohn Johann VI. Graf von Salm-Reifferscheidt und Dyck über. Die Nachricht des Rheinischen Antiquarius verweist also auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, und so wird bisweilen 1440 als Erbauungsjahr der Wolfsburg angegeben. Schon wegen des falsch angegebenen Vornamens des Alfterer Herren muss man jedoch davon ausgehen, dass Johann Christian von Stramberg keine Originalquelle vorgelegen hat. |
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Eine andere Überlieferung erscheint glaubwürdiger: In einem Verzeichnis der Ländereien des Erzstifts Köln, das 1733 zum Zweck einer Steuerumlage erstellt wurde und dessen Angaben sich auf die Zeit um 1600 beziehen, findet sich die Angabe: „Wilhelm Wolff hat in der Herrlichkeit Alffter zu Roßdorf seinen adtlichen Sitz, genannt Brucher Hoff“. Wilhelm von Wolff-Bergheimerdorf und seine Frau Clara von Siegenhoven gen. Anstel sind für diese Zeit auch aus anderen Quellen als in Roisdorf bzw. in der Herrlichkeit Alfter ansässig bezeugt. Mit Wilhelm und Clara sind damit erstmals konkrete Namen von Angehörigen der Familie Wolff bekannt, die im folgenden Jahrhundert auf der Burg bezeugt ist und von der die „Wolfsburg“ auch ihren heutigen, allerdings erst ab dem 18. Jahrhundert belegten Namen hat.
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Ansicht des Haupthauses von Nordwesten
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![]() Clarenhof, 1950er Jahre
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Der ältere Name des Anwesens „Brucher Hof“ oder „Bruchen Haus“ ist indes bereits für weit frühere Zeit bezeugt. In einem 1468 angelegten Verzeichnis der Güter des Klosters St. Clara in Köln wird erwähnt, dass das Kloster „up bruchen huis gelden“ müsse, also gewisse Abgaben zu leisten habe, und zwar für den Hof, den es in Roisdorf besaß, den vielen noch aus eigener Anschauung bekannten Clarenhof. Dieser war dem Kloster im Jahr 1351 von Cunigunde von Metternich, der Witwe des Hermann von Metternich, und Schwägerin des Alfterer Marschalls Johann sowie ihren Kindern übertragen worden, und so bezieht sich auch die Angabe des Güterverzeichnisses auf die Mitte des 14. Jahrhunderts. Demnach hat also bereits damals in Roisdorf das später Wolfsburg genannte „Bruchen Haus/ Brucher Hof“ bestanden, welches der Familie der Herren von Metternich, auf dem Metternichsberg residierend und nahe verwandt den Alfterer Rittern, gehörte. Zum ehemaligen Roisdorfer Clarenhof finden Sie mehr hier
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Metternichsberg und Brucher Hof bildeten damit zwei befestigte Anlagen in der Hand einer Familie: Eine Höhenburg und ein zugehöriger wehrhafter Hof in der Niederung. Beide waren also bereits im 14. Jahrhundert sozusagen Geschwister, und als solche werden sie auch in folgenden Jahrhunderten immer wieder erscheinen. Für das Jahr 1518 wird ein „Peter up bruechen hoff“ erwähnt, also wohl ein Pächter. Im Jahr 1582 verkauft, und dies ist die nächste konkrete Nachricht, der Junker Johann von Metternich das Brucherhaus zu Roisdorf in der Herrlichkeit Alfter an die Grafen Dietrich und Joachim von Manderscheid. Von diesem muss die Familie der von Wolff- Bergheimerdorf den Hof um das Jahr 1595 - also nicht bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts - erworben haben. |
Haus
Wittgenstein (Metternichsberg) und Wolfsburg
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![]() In der Wolfsschlucht
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Die Benennung „Brucher Hof“ erstaunt nicht, lag dieser doch genau gegenüber dem Ausgang des heute noch so genannten „Broichs“, eines steilen Einschnitts im Vorgebirgshang, der später wohl wegen seines wild-romantischen Charakters auch als „Wolfsschlucht“ bezeichnet wurde, ein sogenannter „Siefen“, dem das „Siefenfeldchen“ über das man heute die Wolfsburg erreicht, seinen Namen verdankt.
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Die auf Wilhelm (+ 1623) und seine Frau Clara (+ ca. 1640) folgenden Generationen sind gut bekannt. So ist für das Jahr 1636 ihr Sohn Werner von Wolff-Bergheimerdorf zu Roisdorf bezeugt. Ihm, vielleicht aber auch bereits Wilhelm und Clara, dürfte somit auch der genannte, sicher in das Jahr 1626 zu datierende umfassende Umbau des Haupthauses der Wolfsburg im Stil der Spätrenaissance zuzuweisen sein.
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Wappen
der Freiherren von Wolf
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Ansicht von Süden
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"Haus Roisdorf" der Herren von Wolff Werner von Wolff-Bergheimerdorf war verheiratet mit Maria Anna Margarethe, einer geborenen Metternich zu Roisdorf, und er starb vor 1639, da in diesem Jahr Anna Margarethe als seine Witwe erscheint. Von dieser nun liegt ein aufschlussreiches Dokument vor, und zwar ein Vertrag, den sie 1639 mit zwei Paaren, Heinrich Moll und Sibilla Klein sowie Franz Nellis und Katharina Quester, über die Verpachtung eines in der Herrlichkeit Alfter binnen Roisdorf gelegenen Anwesens auf zwölf Jahre schloss. Dieses Anwesen wird im Vertrag als „Burg und neuer Hof“ bezeichnet. Es umfasst Ländereien „zum Haus gehörig“ und Ländereien „zum Oberhaus gehörig“, dazu Baumgarten und ein Morgen Benden am Brunnen. Ausgestellt wird die Urkunde auf „Haus Roisdorf“. Auf welches Anwesen bezieht sich nun die Verpachtung und welches ist "Haus Roisdorf"? In Frage kommen sowohl die Wolfsburg, das Erbe des Ehemannes der Maria Anna Margarethe, als auch der Metternichsberg, das Erbe ihrer Eltern. Beides dürfte zutreffen, sind es doch gleich zwei Halfenpaare, an die das Anwesen verpachtet wird. Es liegt nahe, das „Haus“ mit der Wolfsburg und das „Oberhaus“ mit dem Metternichsberg zu identifizieren. Damit wären durch Maria Anna Margarethe von Wolff-Bergheimerdorf, geb. von Metternich zu Roisdorf, die beiden Roisdorfer Burganlagen nach wenigen Jahrzehnten der Trennung wiederum in der Hand einer Familie, diesmal der Herren von Wolff-Bergheimerdorf, vereinigt worden.
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Übrigens gehörte diesen auch, wie das Verzeichnis von 1733 bereits für Wilhelm von Wolff vermerkt, der Sterffelshof, also der alte Sitz der ritterlichen Herren von Roisdorf im Oberdorf. Seit wann Wilhelm bzw. seine Familie den Sterffelshof besaß, ist nicht bekannt. Auch wenn dieser Hof 1623 als ganz verfallen bezeichnet wird, war es dennoch wichtig, ihn innezuhaben: Mit ihm waren schließlich die einträglichen Rechte am in Roisdorf erhobenen Zehnten verbunden. Den Sterffelshof samt dem Zehnten brachte allerdings 1647 das Bonner Stift St. Cassius an sich und erst 1708 sollten die Angehörigen der Familie von Wolff-Bergheimerdorf in einem Vergleich auf alle Ansprüche am Sterffelshof und den Zehnten zugunsten des Cassiusstiftes verzichten. |
Sterffelshof am Roisdorfer Donnerstein, 1930er Jahre
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Burg Bornheim
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Die Burg der Herren von Walbott-Bassenheim Von Maria Anna Margarethe ging die Wolfsburg indes nicht an ihre bzw. Werners Kinder aus erster Ehe über, sondern, offenbar wegen hoher Verschuldung Werners, an dessen Bruder Wenzel von Wolff-Bergheimerdorf und dann wiederum dessen Sohn Adam Werner und seine Ehefrau Maria Catharina von Iven. Deren Sohn wiederum, Johann Adam von Wolff-Bergheimerdorf, starb kinderlos im Jahre 1721, und er bestimmte zuvor, die Gründe hierfür sind nicht bekannt, testamentarisch den Bornheimer Burgherren Johann Jakob von Walbott-Bassenheim, zum Erben. An diesen ging somit 1721 die Roisdorfer Wolfsburg und offenbar auch die Burg auf dem Metternichsberg über. Der Besitzwechsel von 1721 ging indes nicht ohne Streitigkeiten vor sich, fühlte sich doch Johann Jakobs Schwester Catharina Margarethe, eine verheiratete Freifrau von Wolf zu Gangelt, in der Erbfolge übergangen.
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Da Catharina Margarethe ihre Ansprüche aber letztlich nicht durchsetzen konnte, blieben für das weitere 18. Jahrhundert die Bornheimer Burgherren Eigentümer der Wolfsburg. Das kunstvoll geschwungene Gitter im Oberlicht des Portals des Haupthauses zeigt die Jahreszahl des Besitzwechsels "1721" an und es enthält zudem das Ehe-/Allianzwappen von Johann Jakob von Walbott-Bassenheim und der aus Liblar stammenden Maria Anna von Wolff genannt Metternich zur Gracht: Das sog. Mühlenradwappen der Walbott-Bassenheim und das Wolfswappen der Wolff-Metternich. Der schwarze Wolf, der dort heute zu sehen ist, hat mithin – was erstaunen mag – nichts damit zu tun, dass die ganze Anlage „Wolfsburg“ heißt, ist er doch nicht etwa das Wappentier der von Wolff-Bergheimerdorf, sondern das einer ganz anderen, eben zufällig gleichfalls „Wolff“ heißenden Familie, die weder mit den Herren von Wolff-Bergheimerdorf noch mit den Herren von Metternich zu Roisdorf verwechselt werden darf und die die Burg auch nie besessen hat.
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Allianzwappen
Walbott-Bassenheim/
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