Roisdorfer Wegekreuze
Zeugnisse lebendiger Volksfrömmigkeit
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Wegekreuz vor dem Haus der Familie Mandt, Rosental
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| Kreuze aus dem Mittelalter sind in unserer näheren Umgebung allerdings nicht mehr erhalten. Die zahlreichen Kriege oder die Bilderstürmerei der Reformationszeit mögen dazu beigetragen haben, dass sie verlorengegangen sind. Was uns auf unseren Straßen und Fluren begegnet, sind Kreuze der Neuzeit, vor allem solche aus der Zeit von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhundert. Diese Kreuze sind Ausdruck einer vertieften Volksfrömmigkeit, wie sie damals im Zuge der katholischen Reform von Seiten der kirchlichen Obrigkeit gefördert wurden. Die Kreuze der Barockzeit wurden aus anderen Beweggründen heraus gestiftet, als die Kreuze des Mittelalters. Die Furcht der Menschen vor Dämonen war weitgehend gewichen. Grund für die Errichtung war nun etwa ein Gelübde, der Dank für ein wichtiges Geschehen oder die Errettung aus einer Notlage wie Krieg, Krankheit, Seuche oder Lebensgefahr. Diese sog. Votivkreuze errichtete man, wie aus ihren Inschriften hervorgeht, "zur Ehre Gottes", "zur Ehre des bitteren Leidens Jesu", oder "zu Ehren der schmerzhaften Muttergottes" usw. Nicht selten wurden Kreuze von einer der zahlreichen geistlichen Bruderschaften, die in dieser Zeit bestanden, gestiftet. In Roisdorf hat sich allerdings, anders als in unseren Nachbarorten, kein solches barockes Votivkreuz erhalten. |
| Neben
den Votivkreuzen gab es Gedenkkreuze, Stiftungen speziell zum Gedenken an
eine bei einem Unfall verstorbene Person. Da die betreffende Person
unvorbereitet gestorben war, sollte auf diese Weise zum Gebet für das
Seelenheil aufgefordert werden. Ein spätes Beispiel für ein solches
Gedenkkreuz findet sich noch heute in der Roisdorfer Gemarkung an der
Alfterer Hofebahn. Es handelt sich um ein steinernes Grabkreuz des 17.
Jahrhunderts, das wiederverwendet und mit einer neuen Inschrift versehen
wurde: "Anno 1811 starb hier Heinrich Löben aus Gielsdorf im 67ten
Jahre seines Alters". An dieser Stelle war ein Mann erfroren
aufgefunden worden. Er hatte tags zuvor mit Pferd und Schlitten Brandholz
holen wollen und sich dabei derart im Wald verirrt, dass er den Heimweg
nicht mehr gefunden und sich in den tiefen Schnee gesetzt hatte, um
auszuruhen.
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Gedenkkreuz für Heinrich Löben
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Wegekreuz auf den Donnerstein
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Eine
besondere Art der Gedenkkreuze waren die Mordgedächtniskreuze. Auch von
ihnen gibt es ein Beispiel in Roisdorf, wenn auch das ursprüngliche Kreuz
längst ersetzt worden ist: Das Wegekreuz auf dem Donnerstein, das vor
einigen Jahren aufgrund des Einsatzes der Bevölkerung des Oberdorfes vor
der Vernichtung bewahrt und erneuert werden konnte: Im Jahr 1788 war der
23 Jahre alte Heinrich Voosen, wie damals verzeichnet wurde, "am
Donnersteingen mitm Schnupftuch um den Hals (also erdrosselt) tot gefunden
worden." Das Kreuz am Donnerstein wurde jedoch bereits in einer Zeit
errichtet, in der die Zahl der in unserer Heimat gestifteten Wegekreuze
deutlich zurückging. Die Kölner Erzbischöfe, von der Philosophie der
Aufklärung beeinflusst, hatten damals kaum mehr Verständnis für barocke
Formen der Volksfrömmigkeit. Noch weniger Verständnis zeigten bald
darauf in der Zeit um 1800 die geradezu antikirchlich eingestellten französischen
Behörden: Es wurden öffentliche Prozessionen verboten, manches Wegekreuz
wurde ebenso wie manches Heiligenhäuschen umgestoßen. Die Errichtung des
erwähnten Gedenkkreuzes an der Alfterer Hofebahn im Jahre 1811 erscheint
hier als eine seltene Ausnahme. Erst der preußische Staat zeigte sich
wieder toleranter, so dass einiges wiederhergestellt, anderes neu
errichtet werden konnte.
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| Einen
Aufschwung nahmen die Stiftungen von Wegekreuzen dann wieder in der Zeit
ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch in Roisdorf wurden neue
Wegekreuze, bei denen es sich durchweg um Votivkreuze handelt,
aufgestellt: Es sei hier als Beispiel das schlichte Holzkreuz in der
Brunnenstraße bei dem Haus Schmitz genannt, das einen Vorgänger des
Jahres 1848 ersetzt, oder auch das Sandsteinkreuz, ebenfalls in der
Brunnenstraße, das die Familie Botz im Jahre 1897 als Dank für die
langersehnte Geburt einer Tochter gestiftet hat. Andere, wohl auch aus
dieser Zeit stammende Roisdorfer Kreuze sind inzwischen verschwunden,
wie z.B. ein Holzkreuz, das in der Güterbahnhofstraße bei dem Haus der
Familie Schumacher stand, oder ein anderes am Widdiger Weg, auf dem die
Fünf Wunden Christi in Keramik geformt abgebildet waren. Diese Kreuze
nutzte man bis weit in das 20. Jahrhundert hinein und in jüngster Zeit
erneut als Stationen auf dem Prozessionsweg der Sieben
Fußfälle, einer in unserer Gegend beliebten Variante des
Kreuzweggebets, das man insbesondere an Freitagen der Fastenzeit
verrichtete oder dann, wenn jemand im Dorf im Sterben lag.
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Votivkreuz der Familie Botz, Brunnenstraße
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Jesus vor Pilatus, erste Station des Kreuzwegs am Lindenberg
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Für
die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ist für den Roisdorfer
Bereich die kreuzförmige Christusstatue zu erwähnen, die Wilhelm
Maucher beim Heimatblick als Mahnmal für den Frieden aufstellen ließ.
In diesen Zusammenhang sind auch die Kreuzwegstationen am Lindenberg
einzuordnen: Angesichts
der heranrückenden Front tat die Gemeinde am 11.11.1944 das Gelübde,
einen Kreuzweg am Lindenberg zu stiften, falls Roisdorf vor der Zerstörung
bewahrt werden würde. In den Nachkriegsjahren errichtete man in Erfüllung
des Gelübdes zunächst provisorische hölzerne Kreuzwegstationen, die
den Leidensweg Christi in qualitätsvollen, von Ruth Schaumann
angefertigten Holzschnitten zeigten. Die hölzernen Bildstöcke wurden
1962 durch solche aus Basaltstein, gestaltet von Bildhauer Aloys
Wyrobeck aus Köln-Mülheim, ersetzt. Die Mittel hierfür erbrachten
Spenden der Roisdorfer Bevölkerung. Roisdorf vefügt damit über den
einzigen aus unserem Jahrhundert stammenden Kreuzweg unter freiem Himmel
am Vorgebirge.
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Aber auch in den folgenden Jahrzehnten riss
der Brauch, Wegekreuze zu errichten und zu pflegen, in Roisdorf nicht
ab. So wurde 1977 das hölzerne Wegekreuz an der Ecke Schussgasse/Berliner
Straße auf Initiative der Anwohner erneuert, konnte 1988 ein neues
Kreuz auf dem Kripsberg eingesegnet werden, ein weiteres im gleichen
Jahr auf der Flur "In der Held". Auch diese Kreuze werden alljährlich
in die Bittprozession vor Christi Himmelfahrt und die "Sieben
Fußfälle" einbezogen. Im Jahr 1989
erfolgte die erwähnte Erneuerung des Wegekreuzes am Donnerstein, das
als Station bei der Fronleichnamsprozession genutzt wird, 1994 das
eingangs genannte Wegekreuz im Rosental. Hier ein Bericht zu diesem Ereignis Die alten ebenso wie die neuen Roisdorfer Wegekreuze fordern die Vorbeigehenden zu einem kurzen Gebet an Christus, den Weg und das Ziel unseres Lebens, auf. Darüber hinaus sind sie wichtige Zeichen für die Gegenwart Gottes in der Welt, dies in einer Zeit, in der der christliche Glaube mehr und mehr aus der Öffentlichkeit verdrängt wird.
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Einsegnung des Kreuzes "In der Held" |