Der
Mai, der Mai, der lustige Mai ...
Maibrauchtum in Roisdorf heute und einst
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In jedem Jahr ist es am 30. April, dem Maiabend, wieder soweit: Unter großer Kraftanstrengung und angefeuert durch die zahlreich anwesende Bevölkerung richten die Mitglieder des Junggesellenvereins "Echte Fründe" auf dem Roisdorfer Dorfplatz den stattlichen Dorfmaibaum auf. Manchmal muss, wie 2011, mehrmals angesetzt werden -sogar einen leichtverletzten Junggesellen gab es - , manchmal klappt es mit einem einzigen Schwung, den Baum in seine Verankerung zu bringen. Anerkennender Applaus von jung und alt folgt aber auf jeden Fall.
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Aufrichten des Maibaums am Festzelt 2011
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Festlicher Einzug 2011
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Alles wartet nun auf den Höhepunkt des Abends: Die Krönung des neuen Maikönigspaars. Begleitet von der Blasmusik der Roisdorfer Musikfreunde ziehen das vorjährige und das neue Maikönigspaar endlich auf den Dorfplatz ein, festlich gekleidet, von Ehrendamen und -herren begleitet.
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Aus
geistlicher Hand - seit 2006 der von Diakon
Adi Halbach - empfängt das Maipaar, 2011 sind es Lukas Kuhl und Britta
Mandt, die ihm zukommenden Insignien: die Ehrenkette für den Maikönig und das
Diadem für die Maikönigin. Glückwünsche des Bürgermeisters, des Ortsvorstehers und
der Ortsvereine schließen sich an. |
Viel Volk bei der Krönung des neuen Maikönigspaares 2011
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Fähndelschwenken zu Ehren des neuen Maipaares 2011
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Der Maikönig hat wenige Wochen zuvor für seine Auserwählte die größte Summe bei der Mailehenversteigerung des Junggesellenvereins geboten und darf nun den Frühling und Sommer über gemeinsam mit ihr die Roisdorfer Jugend auf den Junggesellenfesten der Dörfer ringsum repräsentieren.
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Den Abschluss der Krönung bildeten der Ehrentanz des Maikönigspaares unter der Junggesellenfahne und ein Fähndelschwenken der Fähnriche des Junggesellenvereins.
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Ehrentanz des Maikönigspaars 2011
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Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des Roisdorfer Junggesellenvereins "Echte Fründe" fanden zum Maifest 2009 alle 15 bisherigen Maipaare des Vereins zum Gruppenbild und zur Beteiligung am Festzug zusammen.
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Maifeier der Mörnerstraße
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Ein feuchtfröhlicher Abend schließt sich in jedem Jahr der Krönung an, nicht nur im fast überfüllten Festzelt, sondern auch an anderen Stellen des Dorfes, wo Nachbarschaften ihr eigenes "Maiansingen" veranstalten ...
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... oder auch Thekengemeinschaften, wie die "Roisdorfer Böömchesfründe" bei der Gasstätte Hamacher, den Mai lautstark begrüßen.
Manch einer begegnet auf dem Heimweg mit Maibäumen und johlenden Junggesellen beladenen landwirtschaftlichen Gefährten, unterwegs zu den Mädchen des Dorfes, denen von ihren Verehrern jeweils ein mit bunten Bändern geschmückter Maibaum gesteckt werden soll. |
Maiansingen der "Böömchesfründe"
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Maipaar mit Gefolge beim Umzug 2011
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Am 1. Mai schließt sich das inzwischen schon traditionelle Junggesellenfest an, das seinen Höhepunkt in dem Festzug durch das Dorf findet. Begleitet von den Junggesellenvereinen der umliegenden Ortschaften samt deren Maipaaren und Fähnrichen sowie von den Roisdorfer Ortsvereinen grüßt das Maipaar aus der festlichen Kutsche.
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Beim "Vorbeimarsch" legen sich die Fähnriche der beteiligten Junggesellenvereine zu Ehren des Maikönigspaars besonders ins Zeug.
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Fähndelschwenken beim Umzug 2011
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Kampf um den "Glockenpokal"
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Ein buntes Programm mit Ehrentänzen und Fähndelschwenk-Wettbewerben im Zelt beschließt das gelungene Fest.
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Ganz ähnlich war es auch schon vor Jahrzehnten - Auch wenn manches dörfliche Brauchtum im Laufe der Zeit verschwunden ist - das Maibrauchtum erlebte im vergangenen Jahrzehnt eine regelrechte Renaissance, die ihren Ausdruck 1994 in der Wiederbegründung eines Roisdorfer Junggesellenvereins fand. Immerhin ist bereits für das späte 18. Jahrhundert ein solcher Verein in Roisdorf bezeugt und erlebte das Junggesellenbrauchtum in der Zeit zwischen den Weltkriegen, aber auch noch in den 1950er Jahren, eine besondere Blüte. |
Maipaar Margret Pohl und Josef Palm 1956
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Wie man den Mai im 19. Jahrhundert in Roisdorf feierte, hierfür liegt eine einzigartige Quelle aus der Feder des Ortsvorstehers Wilhelm Rech vor, der 1910 im hohen Alter die Erinnerungen an seine Jugend niederschrieb, welche im Folgenden im Wortlaut und der Schreibweise des Chronisten wiedergegeben seien.
"Ihr
Vergnügen hatten die Leute früher auch, wenn meistens auch nur im Jahre dreimal Tanzmusik war.
Die
Jungen Leute bildeten auch jedes Jahr einen Verein, aber nicht wie heute, mit
tüchtig Geld drauf machen, sondern um Geld zu sparen.
Dieser
Verein wurde auf folgende Art gegründet, nur von jungen, heiratsfähigen
Jünglingen. Man nannte solchen Verein einen Reih: Gewöhnlich an einem
Fastnachtstage, traten die jungen Leute im Wirtshause, wo sie die Tanzmusik,
auch Maispiel genannt, abhalten wollten (zusammen), wählten unter sich ein Oberhaupt,
Schultheiß genannt, mit zwei Beisitzer, Schöffen genannt, dann einen
Fahnenträger, Fendrich genannt, und einen Fax, genannt Hüssgen.
Nachdem man so den Vorstand konstituiert hatte, dauerte es gewöhnlich bis Ostermontag, dann versammelte sich der ganze Verein in ihrem Lokale wieder, um das so genannte "Mailehen" zu schreiben, und dieses bestand darin, das sämtliche heiratsfähige junge und alte Mädchen des Dorfes, von den jungen Leuten, die mit in dem Reih waren, unter sich ausgeboten, versteigert, und dem Meistbietendem zugeschlagen wurde, unter allerlei Schnurren, Witzen, und Ulken.
Der
Ansteicher (Ersteigerer) durfte dann das betreffende Mädchen im Laufe des Jahres zum Tanze
führen, selbstverständlich mit Ihrer Einwilligung. Bekam der betreffende
Jüngling einen Korb, dann brauchte er für den Spott nicht zu sorgen. Kam ihm
aber ein anderer ins Gehege, dann setzte es in der Regel blutige Köpfe ab.
Der
Rest der Mädchen wurde zusammen ausgestellt. Wer diese dann ansteicherte
(ersteigerte), hatte
die Wahl und auch die Qual.
Am
ersten Mai wurde den Mädchen wo sie wohnten einen grünen Mai auf das Dach gesteckt.
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"Wie
der männliche Teil sein Vergnügen hatte, so hatte der weibliche Teil früher
ebenfalls ihr Vergnügen.
Wenn im Frühjahre, die Lenzessonne die Berge küsste, das junge Grün hervor sprosste und der Wald grün war, welches in den meisten Fällen im Monat Mai der Fall war, dann versammelten sich an einem Sonntage nachmittags die Jungfrauen Roisdorfs, holten im Walde einen grünen Mai (großen grünen Zweig), zogen damit auf den Hauptplatz des Dorfes, an der Kapelle (jetzt an der Kirche). Dann wurde eine Jungfrau bestimmt, die nahm den großen grünen Mai und musste sich mit diesem in der Mitte des Platzes aufstellen. Die anderen Jungfrauen fassten sich gegenseitig, Hand in Hand, zu einem großen Kreis rundherum um die Maikönigin, gingen dann so in dem großen gebildeten Kreise langsam rund und sangen das Mailied:
Der
Mai, der Mai der lustige Mai
In
Roisdorf steht ein neugebautes Haus
Die Burschen hatten sich aus Erlenrinde ein Horn gemacht, ein Maihorn, bliesen in dies Maihorn und tanzten den Reigen später."
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Das von Rech leider nur mit seinem Anfang und in hochdeutscher Übertragung zitierte Lied war nur eines der traditionellen Mailieder des Vorgebirges. Sein vollständiger Text wurde im Jahr 1847 von einem Kölner Lehrer namens Wacker aufgezeichnet, der auf einer Wanderung durch das Vorgebirge unversehens Zeuge einer Maifeier, wie der oben beschriebenen geworden war. Leider war er, wie die merkwürdige Schreibweise mancher Wörter verrät, offenbar des Vorgebirgsplatts nicht mächtig:
Der Mai, der Mai, der lustige Mai,
Ech ging vor Herzliebst Fenster stonn
„„Ech stonn nit op, ech lass dich nit herein,
Steh’ und setz’ ihn auf die weite, breite Straße,
Zu Hemm’rich steht ein wohlgebautes Haus,
Seind sie dann bronenge nich,
Der Mönch sprang an dem Fenster heraus,
Un stirf de Bruck von Traurigkeit, Un dräg et dann
kein’ Rosen roth, Den vollständigen Text mit den Anmerkungen von H. Wacker sowie zwei weitere von diesem in Hemmerich aufgezeichnete Mailieder siehe auf der Seite http://www.paettche-on-joett.de/leedche.htm. Vgl. auch www.liederlexikon.de, dort weitere Informationen. ) Der Bonner Germanistikprofessor und Sammler von Märchen, Sagen und Liedern Karl Simrock veröffentlichte 1861 den Text dieses Liedes nach einer Fassung, die in Graurheindorf aufgezeichnet worden war. Die 2. bis 4. Strophe wurden damals in romantischem Sinn umgedichtet. In dieser Fassung wird es noch heute landauf landab gesungen: Ein kleiner, aber nicht unbedeutender Beitrag des Bonner Raums zum deutschen Liedgut. Hier die Simrock'sche Fassung samt der dazu gehörenden Melodie:
2. Ich ging
wohl vor Herzliebchens Tür,
3.
Der
Mai, den du mir bringen willst,
4. Nicht auf die weite, breite
Straß,
5. Der Mai, der
Mai, der lustige Mai
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Auch wenn die Einzelformen sich gewandelt haben - es ist schön zu sehen, dass die wesentlichen Elemente des Maibrauchtums in Roisdorf und im übrigen Vorgebirge in den vergangenen 150 Jahren die selben geblieben sind: Ein schönes Zeichen kultureller Kontinuität.
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Heimatfreunde Roisdorf beim Festzug des Junggesellenfestes 2011
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Das Maiprogramm und weitere Informationen
finden Sie hier auf den Seiten des JGV
Roisdorf!