"...
kleine Blumen inmitten von Trümmern"
Die wortlose Predigt der Roisdorfer Weihnachtskrippe vom Frieden auf Erden
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Verkündigung an Maria 1942
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In
den Jahren 1942 und 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, mitten in einer
Zeit der Ängste, der Entbehrungen und der Trauer, beschloss die
Roisdorfer Pfarrgemeinde, ein besonderes Zeichen der christlichen Hoffnung
zu setzen – ein Zeichen dafür, dass sich der Frieden als stärker
erweisen wird als der Krieg, ein Zeichen dafür, dass das Leben stärker
ist als der Tod: Eine neue, die weihnachtliche Botschaft in lebendiger
Weise verkündende Krippe sollte in der Pfarrkirche St. Sebastian die alte
Kirchenkrippe mit ihren starren Gipsfiguren ersetzen.
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| Pastor
Matthias Ossenbrink und Jakob Dick, der Obmann des Katholischen Männerwerks,
waren die treibenden Kräfte dieser Aktion, bei der die damit verbundenen
Kosten und Mühen als zweitrangig betrachtet wurden. Für die Anfertigung
der neuen Krippenfiguren konnte man die renommierte Künstlerin Johanna
Lamers-Vordermayer aus Kleve gewinnen, die mit ihrer Werkstätte bereits
vielbeachtete Krippen, etwa in St. Bruno in Köln Klettenberg und in St.
Kolumba in Köln, geschaffen hatte.
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Heimsuchung 1943
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Hirtenfeld 1942
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Eine Hl. Familie sowie eine Anbetung der König mit Engel und einigen Hirtenfiguren – bis zu 38 cm große Figuren mit beweglichen Gliedern und ausdrucksstarken, aus Holz geschnitzten und bemalten Köpfen, Händen und Füßen, gehörten zur ersten Lieferung. Rechtzeitig zu Weihnachten 1942 konnten die Figuren fertiggestellt werden – doch dies nur, weil die Bevölkerung die raren Baumwollstoffe für die Unterkleider der Figuren sammelte und Pastor Ossenbrink der Künstlerin zudem Marken seiner eigenen Kleiderkarte zur Verfügung stellte, die der mühseligen Beschaffung der wertvollen Stoffe der Oberkleider dienen sollten.
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Gleichzeitig mit den Figuren wurde ein Hintergrund mit der Landschaft von Bethlehem bei Friedrich Dücker, dem Direktor der Bonner Berufsschule und Vorsitzenden der Landesgemeinschaft der Krippenfreunde im Rheinland, bestellt. Angesichts der herrschenden Materialknappheit musste die Landschaft auf einen ausgedienten Vorhang gemalt werden. Trotz Fliegeralarms – wie berichtet wird – fuhr Peter Dick Mitte Dezember 1942 mit dem Fahrrad nach Bad Godesberg, um den fertigen Hintergrund für die Krippe abzuholen, deren neuen Stall er selbst aus Kiefernborkenrinde angefertigt hatte.
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Anbetung der Hirten 1943
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Darstellung im Tempel 1943
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Weihnachten 1942 präsentierte sich die Krippe zur Freude der Roisdorfer als neues Schmuckstück der Pfarrkirche. Die Herstellung weiterer Figuren – des Joachim und der Elisabeth, des Herbergswirts sowie des greisen Simeon und der Prophetin Hanna für die adventlichen und nachweihnachtlichen Szenen – gestaltete sich im Jahr 1943 angesichts der im Rheinland immer bedrohlicheren und bedrückenderen Auswirkungen des Krieges ungemein schwierig. Die Mitarbeiter von Johanna Lamers-Vordermayer konnte man nur unter großen Mühen mit Lebensmitteln entgelten.
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Auch wenn die Figuren lediglich provisorisch eingekleidet waren, durfte die Krippe zu Advent und Weihnachten 1943 doch als vollendet gelten. Es kam allen Beteiligten wie ein Wunder vor, dass man dies allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft hatte. Als „kleine Blumen inmitten von Trümmern“ bezeichnete die Künstlerin selbst die Arbeit, die eine ihrer letzten sein sollte – wenige Monate nach Kriegsende verstarb sie im württembergischen Geislingen, wohin sie wegen des Krieges evakuiert worden war.. |
Anbetung der hl. Dreikönige 1943
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Anbetung der hl. Dreikönige 2004 |
Seit mehr als 60 Jahren kündet so die von Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen geliebte Advents- und Weihnachtskrippe in der alten und in der neuen Pfarrkirche St. Sebastian von der Geburt Christi. Behutsam gepflegt und jedem Jahr von engagierten KrippenbauMannschaften mit viel gestalterischem Geschick arrangiert, dürfte die Krippe auch künftigen Generationen die weihnachtliche Botschaft vom Frieden auf Erden nahe bringen – als eine Predigt ohne Worte.
Mehr zu der Roisdorfer Advents- und Weihnachtskrippe finden Sie hier!
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