Die Feier der Erstkommunion
in Roisdorf im Wandel der Zeit
In
Zusammenarbeit zwischen der Kolpingsfamilie Roisdorf und den Heimatfreunden Roisdorf
e.V.
ist diese Ausstellung von Andenken und Fotografien der Erstkommunion
entstanden. Die Ausstellung wurde am 5. und 6. Mai sowie am 10. Juni 2001 in den Räumen des Pfarrheims
St. Clara präsentiert.
Dankandacht
zur Erstkommunion 1960 |
Eines der markantesten Ereignisse im Leben eines jeden katholischen Kindes und auch eines der wichtigsten, in jedem Jahr wiederkehrenden Ereignisse im Leben einer Pfarrgemeinde stellt die Feier der Erstkommunion dar. Diese wird traditionell am „Weißen Sonntag“, dem ersten Sonntag nach Ostern, abgehalten. Die Formen, in denen sich die Feier der Erstkommunion vollzog, änderten sich im Laufe der Jahrhunderte – und auch im Verlauf des Bestehens der Roisdorfer Pfarrgemeinde – immer wieder. Ein
Spiegelbild dieser Änderungen stellen die Kommunionandenken dar, die
den Erstkommunikanten in Form von Urkunden, Bildern oder Kreuzen von der
Pfarrgemeinde überreicht werden. Eine Sammlung solcher Andenken sowie Gruppen- und Einzelbilder von Kommunionkindern wollen wir, die Kolpingsfamilie Roisdorf und die Heimatfreunde Roisdorf, mit dieser Ausstellung präsentieren.
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Erstkommunion
zur Zeit der Pfarrei Alfter Seit den 20-er Jahren des 17. Jahrhunderts gehörten die Einwohner des Ortes Roisdorf, der Teil der Herrlichkeit Alfter war, zur Pfarrei Alfter. Hier gingen die Roisdorfer zum sonntäglichen Gottesdienst - und natürlich auch die Kinder zur Erstkommunion. Dies blieb so, bis nach Überwindung des anfänglichen Widerstandes der Alfterer Pfarrei Roisdorf im Jahre 1887 zur Filialgemeinde erklärt und 1891 zu einer eigenständigen Pfarrgemeinde erhoben wurde. Die hier gezeigten Kommunionandenken aus den Jahren 1877 und 1884 wurden noch von dem zuständigen Alfterer Pfarrer Max Josef Jörrissen unterzeichnet.
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![]() "Erinnerung an den Tag der ersten heiligen Communion" 1884
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![]() Erstkommunionurkunde
1907 |
Erstkommunion
zur Zeit von Zur Zeit dieses als erster Pfarrer der selbständigen Gemeinde Roisdorf wirkenden Geistlichen, in den letzten Jahrzehnten des wilhelminischen deutschen Kaiserreiches, wählte man als jährlich wechselnde Motive der Erstkommunionandenken bzw. –urkunden Christusdarstellungen im damals noch vielfach verwendeten spätnazarenischen Stil – seien es Herz-Jesu-Darstellungen oder Darstellungen Christi mit eucharistischen Symbolen. Die Erstkommunionkleider der Mädchen waren damals, wie auch die Kleider der Bräute dieser Zeit, schwarz. Sie hatten also die Farbe der traditionellen Festtagstracht. Nur die Kränzchen in den Haaren bestanden aus weißen Stoffblüten, die man bisweilen gemeinsam mit dem später hinzukommenden Brautkranz gerahmt aufbewahrte. Die Jungen trugen, gemäß der Begeisterung der Zeit für die kaiserliche Marine, den sogenannten Matrosenanzug.
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Erstkommunion
zur Zeit von Besondere
Aufmerksamkeit widmete Pastor Goertz der Jugendarbeit, für die er das
sogenannte „Wohlfahrtshaus“ in der Siegesstraße einrichtete, sowie der
Heranführung der Kinder an das Altarssakrament. Während
in der Zeit des Ersten Weltkrieges bei den Andenkenbildern
Abendmahlsszenen vorherrschen, finden sich später Emmausszenen sowie
einmal eine süßliche Darstellung des Jesuskindes. Das Ende des Kaiserreiches machte sich auch bei den Kommunionkleidern bemerkbar: War zuvor die Farbe weiß als Farbe der Festtagstracht den Personen von Adel vorbehalten, trugen – im Zeichen der Aufhebung der Standesschranken – in den zwanziger Jahren auch bürgerliche Bräute und Kommunionkinder weiße Kleider - dies zudem als Hinweis auf die weiße Farbe des christlichen Taufkleides.
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![]() Pastor
Goertz mit den Kommunionkindern des Jahres 1932 im Hof des
Wohlfahrtshauses |
![]() Pastor
Hartmann mit den Kommunionkindern des Jahres 1940 vor dem Portal der
Pfarrkirche |
Erstkommunion
zur Zeit von In
der Zeit des Nationalsozialismus, in der Pastor Hartmann wirkte, konnte
die kirchliche Jugendarbeit nur in sehr eingeschränktem Umfang erfolgen.
Das herrschende politische Regime vermochte es jedoch nicht, die Feier der
Erstkommunion wesentlich zu beeinträchtigen. Traditionelles
Geschenk der Paten der Kommunionkinder war – neben dem Rosenkranz für
die Mädchen und der Uhr für die Jungen – das erste eigene Gebetbuch,
das oft mit in Goldbuchstaben geschriebener Widmung versehen wurde. Während
die Mädchen schlichte weiße Kommunionkleider trugen, setzte sich bei den
Jungen, wie auf den vor dem Portal der Pfarrkirche aufgenommen Gruppenbild
zu sehen, statt des Matrosenanzugs ein schwarzer Anzug mit großem weißen
Kragen durch. |
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Erstkommunion
zur Zeit von Auch
in den schweren Kriegs- und Nachkriegszeiten verzichtete man nicht auf
farbige Kunstdrucke als Kommunionandenken. Auffallend ist zur Zeit des
mehr als zweieinhalb Jahrzehnte wirkenden Pastors Ossenbrink die
Vielfalt der religiösen Bildmotive. Neben Mariendarstellungen und einem
„Guten Hirten“ findet sich z.B. 1950 ein Porträt des Papstes Pius
XII., 1960 das Motiv der „wunderbaren Brotvermehrung“, in den
folgenden Jahren eine Kreuzigungsszene, ein segnendes Christuskind, eine
Emmausszene nach Rembrandt bis hin zu einer ostkirchlichen thronenden
Muttergottes und einer frühchristlichen Fußwaschungsszene. Statt
gerahmter Bilder bevorzugte man in den 1960-er Jahren auf Holztafeln
aufgezogene Reproduktionen. Beliebtes privates Erinnerungsstück an die Erstkommunion bildete eine Aufnahme des Kommunionkindes und seiner Angehörigen vor der Eingangstüre des Elternhauses, die mit einem Tannengrünkranz und weißen Papierblumen geschmückt war.
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![]() Kommunionkind vor der geschmückten Haustüre 1949
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![]() Prozession
der Kommunionkinder zur letzten Erstkommunion in der alten Pfarrkirche
1969 |
Erstkommunion
zur Zeit von Die
Zeit des kirchlichen Auf- und Umbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen
Konzil dokumentiert sich auch im Wechsel der Art der Kommunionandenken. Statt
der Kunstdrucke mit eucharistischen oder anderen christlichen Motiven, die
auf ihrer Rückseite bisweilen auch als Urkunden gestaltet waren, finden
sich unter Pastor Vossen erstmals vielfältig geformte Bronzekreuze. In feierlicher Prozession, angeführt vom Pastor und seinen Kaplänen, zogen die Kommunionkinder nun nicht mehr von der alten Schule in der Brunnenstraße, sondern von der neuen in der Friedrichstraße zur Erstkommunionfeier. Diese fand zudem ab 1970 nicht mehr in der alten Roisdorfer Pfarrkirche St. Sebastian, sondern in der Notkirche im Tanzsaal Badenheuer statt.
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Erstkommunion
zur Zeit von Auch
Pastor Bleikertz behielt zunächst die in modernen Formen künstlerisch
gestalteten Kreuze als Erinnerungsstücke für die Erstkommunikanten
bei. Nach
dem fünfjährigen Provisorium im Tanzsaal konnten die Kommunionkinder erstmals 1974 in die neue Pfarrkirche einziehen, die in der nach dem
ersten Roisdorfer Pfarrer benannten „Heilgersstraße“ erbaut worden
war. Nahm
die Prozession in den ersten Jahren vom Kindergarten in der Siegesstraße
ihren Ausgang, so versammelte man sich später vor der Feier in dem nun
neu errichteten Pfarrheim St. Clara. In den späten 1980-er Jahren vollzog sich ein Wechsel von den Bronzekreuzen hin zu Kreuzen aus Olivenholz mit silbernem Corpus. Diese Kreuze zeichneten sich dadurch aus, dass die aus Jerusalem stammten, wo sie auch gesegnet worden waren.
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![]() Holzkreuz als Kommunionandenken 1990
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![]() Ikonenkreuz
als Kommunionandenken 1996 |
Erstkommunion
zur Zeit von Auch
unter Pastor Tepe finden sich die Holzkreuze als Erinnerungszeichen an die
Erstkommunion. In den Jahren 1996 bis 1999 wählte man ein Kreuz, das mit
fünf ikonenartigen Szenen aus dem Leben Jesu – im Zentrum eine
Darstellung der wunderbaren Brotvermehrung als Hinweis auf die Eucharistie
- geschmückt war. Der
Zuzug vieler junger Familien nach Roisdorf bewirkte in den 1990-er Jahren
ein stetes Anwachsen der Zahl der Erstkommunikanten. Wie seit jeher
vollzogen sich die privaten, an die kirchliche Feier anschließenden
Festlichkeiten im Rahmen der Familie und Verwandten. Die Kleidung der Mädchen und der Jungen blieben das weiße – bisweilen schlichte, bisweilen aufwendig gestaltete – Kommunionkleid und der dunkle Anzug, nachdem in Roisdorf, anders als in einigen Pfarreien der Nachbarschaft, eine einheitliche graue Kutte als Kommunionkleidung nicht den Zuspruch der Eltern der Kommunionkinder hatte finden können.
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Erstkommunion
zur Zeit von Ein
Kreuz aus hellem Metall – ohne Gekreuzigten, dafür mit Weinreben als
eucharistischen Symbolen geschmückt – wurde als Kommunionandenken des
Jahres 2001 verwendet. Mit
diesen Andenken möchte die Pfarrgemeinde den Kindern nicht nur eine schöne
Erinnerung an den Tag der Feier ihrer Erstkommunion bewahren. Die Kreuze
– wie auch die in früheren Jahrzehnten geschenkten Bilder – sollen
die jungen Christen auch in ihrem weiteren Leben als Segenszeichen
begleiten und zum Gebet anregen. Es ist zu hoffen, dass dieser schöne Brauch auch in kommenden Zeiten, in welcher Weise man die Feier der Erstkommunion auch immer ausgestalten mag, Bestand haben wird.
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![]() Kommunionkind
des Jahres 1909 |
Eine
herzliche Bitte zum Schluss: Es
bleiben bei dieser Dokumentation noch einige Lücken. Manche Jahrgänge von
Erstkommunionen konnten bislang nicht in Form der Andenken und/oder
Fotografien dokumentiert werden. Wir
würden uns daher freuen, wenn uns aus dem Kreis der Besucher der
Ausstellung weitere Gegenstände oder Bilder leihweise zur Verfügung
gestellt würden, um hiervon Ablichtungen anfertigen und die Dokumentation
vervollständigen zu können. Kontaktadressen: Kolpingsfamilie
Roisdorf
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Informationen zu dieser Ausstellung finden Sie auch auf den Seiten der Kolpingsfamilie Roisdorf!