Ein Arm weist zum Oberdorf, einer zum Unterdorf
Zur Erneuerung des Wegekreuzes Ecke Brunnenstraße/ Schussgasse
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Einsegnung des Kreuzes durch Pastor Leonhard Bleikertz
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Am
Abend des 19. September 2003 fanden sich zahlreiche Anwohner und weitere Gäste
an der Ecke Brunnenstraße/ Schussgasse ein, denn es galt, einem
besonderen Ereignis beizuwohnen: Pastor Leonhard
Bleikertz nahm die Einsegnung des dort erneuerten Wegekreuzes vor. Wie Pastor Bleikertz in seiner Ansprache
bemerkte, weist einer der Arme des Kreuzes auf das Oberdorf, der andere auf das
Unterdorf. Die Inschrift „Christus erbarme dich unser“ stellt
somit ein Stoßgebet dar, mit dem das Erbarmen Christi auf ganz Roisdorf und
seine Bewohner herabgerufen wird.
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so viele Menschen an der kleinen geistlichen Zeremonie teilnahmen,
verwundert nicht: Obwohl das schlichte Holzkreuz an der Hofmauer des
Hauses Schmitz, gemäß seiner verblassenden Inschrift im Jahr 1848
aufgestellt und 1955 erneuert, stets recht unscheinbar gewesen war, ist
es doch den Anwohnern sehr ans Herz gewachsen. Seit einigen Jahren war der desolate Zustand des Kreuzes insbesondere Peter Berrisch aus der
Schussgasse aufgefallen. Eine Rettungsaktion wurde dringlich, als im Frühjahr
dieses Jahres konkrete Pläne bekannt wurden, das alte und ehemals repräsentative,
aber leider nicht denkmalgeschützte Haus Schmitz zugunsten eines Neubaus
abzureißen und damit auch das Kreuz zu beseitigen. Peter Berrisch plante
daher, das Kreuz zu restaurieren, es möglichst nahe seinem ursprünglichen
Standort wieder aufzustellen und damit für künftige Zeiten zu sichern.
Unterstützung für seine Initiative fand er bei Ortsvorsteher Wilhelm
Rech, der Bornheimer Stadtverwaltung,
den Heimatfreunden Roisdorf und der Schreinerei Kievernagel.
Verschiedene mögliche Standorte wurden diskutiert, doch erwies sich der seitliche Giebel des Hauses Birgel als der geeignetste: Hier ist genügend Raum vorhanden, um sich, etwa bei Bittprozessionen, zu einem Gebet vor dem Kreuz versammeln. Da sich das Holz des Kreuzes als bereits zu morsch für eine Restaurierung erwies, fertigte Peter Berrisch eigenhändig eine getreue Kopie, auf der auch die im alten Stil gehaltene Inschrift wieder angebracht und um die Jahreszahl 2003 ergänzt wurde.
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Erneuertes Wegekreuz
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Roisdorfer
Brunnenplatz 1920er Jahre,
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Aufzeichnungen
des Bornheimer Stadtarchiv ist zu entnehmen, dass einst
ein gewisser Kolf das Kreuz gestiftet hat. Nun ist dieser Johann Reiner Kolf
durchaus bekannt. Der Ackerer, Wirt und Weinhändler betrieb in den
vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zusammen mit seinem Schwiegervater
Bernartz zunächst die Restauration in der Wolfsburg, bevor er die
Restauration am Mineralbrunnen übernahm. Wann letzteres geschah, nicht näher
bekannt, doch passt die Stiftung des Kreuzes gegenüber dem Mineralbrunnen
im Jahr 1848 gut in diese Zeit. Kolf engagierte sich später für die
Errichtung einer von Alfter unabhängigen Roisdorfer Pfarrgemeinde, und so
findet man ihn unter den Mitgliedern des Komités für den Neubau der
Pfarrkirche und unter den Mitgliedern der ersten katholischen
Gemeindevertretung.
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| Auch
wenn wir damit den Stifter kennen, so wissen wir über den Grund der Errichtung des Wegekreuzes nichts
Konkretes. Auch keiner der Anwohner vermag hierüber Auskunft zu geben. Es könnte, dem
Geist der Zeit entsprechend, die Erfüllung eines Gelübdes gewesen
sein, oder aber, worauf die Inschrift „Christus erbarme dich unser“
hinweist, ein uns nicht mehr bekannter tödlicher Unglücksfall,
der sich an dieser Stelle ereignete und der Kolf veranlasste, das Kreuz
zum Zweck des fürbittenden Gedenkens zu stiften. Belegt ist für spätere
Jahre, dass sich hier in der Tat bisweilen schwere Unglücke ereigneten,
etwa, wenn ein Gefährt die steile Schussgasse herunterfahrend nicht
mehr rechtzeitig vor dem Kontorhaus des Brunnens bremsen konnte.
Hierdurch zu Tode gekommene Personen sollen, wie mündlich überliefert
ist, im benachbarten Haus Schmitz aufbahrt worden sein.
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Christine Berrisch trug auf Platt formulierte Fürbitten vor
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Teilnehmer
der Feier,
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Darüber,
wie das Wegekreuz ehemals ins Ortsleben eingebunden war, konnte Peter
Berrisch bei der Einsegnungsfeier manches erzählen: Der sog. Buëneplatz
(Brunnenplatz), an dem es sich befand, war ursprünglich Standort der
Roisdorfer Großkirmes, Buden und Karrussels waren hier aufgestellt. Die
St. Sebastianus Schützenbruderschaft formierte sich beim Kreuz, bevor
man zum Königsschießen auf den Schützenplatz zog. Straßenmusikanten
spielten hier zur Freude der Anwohner auf. In der Nähe des Kreuzes
wurde einer der Altäre der Fronleichnamsprozession aufgebaut ...
Auch über die Erneuerung des Kreuzes im Jahre 1955 wusste Peter Berrisch zu berichten, war er doch als Jugendlicher selbst hieran beteiligt gewesen. Damals war es Matthias Kronenberg, der das Kreuz aus dem – wie heute von der Fa. Kievernagel gespendeten – Holz zimmerte, war es Malermeister Hans-Peter Immeln, der die Inschrift anfertigte. Die Nachkommen der Erneuerungsaktion von 1955 waren natürlich Ehrengäste der Feier.
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Ein
fröhlicher Umtrunk beim Kreuz schloss sich angesichts des
herrlichen lauen Sommerabends
der Einsegnung an. Auch
wenn es künftig sicherlich nicht so viel Aufmerksamkeit finden wird, wie am Abend
der Einsegnung, so wird das Kreuz
doch seinen Platz in unserem Gemeindeleben, etwa bei
dem Gang zu den Sieben Fußfällen, einnehmen. Es
ist zudem zu hoffen und zu wünschen, dass mancher von denen, die an dem
Wegekreuz vorbeigehen, die Inschrift „Christus erbarme dich unser“
zum Anlass für ein kurzes Gebet an Christus, den Weg und das Ziel unseres
Lebens, nehmen wird.
Mehr zu den Roisdorfer Wegekreuzen erfahren Sie hier!
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Fröhlicher Umtrunk im Anschluss an die Feier |