Bet Hachajim - Haus des Lebens

Dokumentation der jüdischen Friedhöfe in Bornheim, Hersel und Walberberg

 

Am 22. Juli 2004 wurde im Ratssaal der Stadt Bornheim der Ergebnisband eines verdienstvollen Projekts vorgestellt: Unter dem Titel "Bet Hachajim - Haus des Lebens" hatten Dan Bondy und Hildegard Heimig die drei im Bornheimer Stadtgebiet gelegenen jüdischen Friedhöfe dokumentiert - letzte und stille Zeugnisse der spätestens seit dem 18. Jahrhundert hier ansässigen jüdischen Bevölkerung. 

Auch eine Reihe von auf dem Bornheimer Friedhof gelegenen Grabmälern Roisdorfer Bürger finden sich hier abgebildet und beschrieben, wie etwa die der Mitglieder der als Metzger und Viehhändler tätigen Familie Loeb aus der Brunnenstraße oder auch die der Mitglieder der Familie Scheuer, die auf der Bonner Straße ebenfalls einen Viehhandel betrieb. Die Gräber der letzten in unserem Dorf lebenden jüdischen Mitbürger sucht man allerdings vergebens: Sofern ihnen nicht eine rechtzeitige Emigration bzw. Flucht gelang, fanden die Roisdorfer Juden als Opfer des Holocaust den Tod. So wurden Alfred, David, Ellen, Hertha und Philipp Loeb, ebenso Franziska Cahn, geb. Loeb, in Auschwitz, Theresienstadt oder Minsk ermordet. Alfons Feldmann, aus der Poststraße (Neußer Straße) stammend, sog. "Halbjude", scheint ebenfalls wegen seiner Abstammung umgebracht worden zu sein.

Die Heimatfreunde Roisdorf sind ein wenig stolz darauf, dass sie an dem Band, der eine wichtige Quelle für die Vergangenheit unserer Heimat darstellt, haben mitwirken dürfen: Im Sommer des Jahres 2000 haben sie im Auftrag des Stadtarchivs die einzelnen Grabdenkmäler fotographisch abgelichtet.

 

 

 

Kinder der Familie Loeb vor ihrem Haus in der Brunnenstraße im Jahre 1908

 

Die neuerschienene Dokumentation

 

Im Bonner General-Anzeiger erschein am 3. August 2004 ein von Ulrike Strauch verfasster Bericht über die Neuerscheinung.

 

"Die hellen Steine selbst wirken eher schlicht – verglichen mit den manchmal sehr aufwändigen Grabmalen auf christlichen Friedhöfen Sie stehen in Reih’ und Glied, oft unter alten Bäumen, und tragen teils hebräische, teils aber auch deutsche Inschriften ergänzt von segnenden Priesterhänden, einer Levitenkanne oder dem sechszackigen Judenstern. So sehen sie aus – die letzten Zeitzeugen des jüdischen Lebens im Vorgebirge, entstanden und gewachsen, lange bevor die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten das Leben tausender Menschen auslöschte. „Bet Hachajim – Haus des Lebens“ heißt eine jetzt erschienene Dokumentation über die drei ehemaligen jüdischen Friedhöfe in Bornheim, Hersel und Walberberg, für die die Archivarin der Stadt Bornheim, Hildegard Heimig, und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Dan Bondy insgesamt vier Jahre recherchiert haben.

 

Dieser Band ist damit zugleich auch der zweite Teil in der vom Rhein-Sieg-Kreis herausgegebenen Reihe „Zeugnisse jüdischer Kultur im Rhein-Sieg-Kreis“ Anstoß für dieses Vorhaben gab eine Ausstellung zum Thema in den Jahren 1984 und 1984, während Norbert Zerlett in seinem damals erschienenen Begleitkatalog aufgrund der Materialfülle das Thema Friedhöfe nur streifen konnte. Diese Lücke zu schließen, hatte sich die Archivleiterin im Jahr 2000 zum Ziel gesetzt und begonnen, Sponsoren für die geplante Dokumentation zu finden. 20.077 Euro sind auf diese Weise zusammen gekommen

Jüdischer Friedhof an der Bornheimer/ Botzdorfer "Jüddejass", heute Lessingstraße

 

Grabstein von Aron Loeb aus Roisdorf

 

Als Denkmäler des ehemals blühenden Lebens der Landjuden in den Orten Bornheim, Hersel und Walberberg wurden die Friedhöfe schon 1986 unter Schutz gestellt. Sie waren auf Ewigkeit angelegt, galten als heiligste Stätte und als „Haus des Lebens“. Rückblickend liefern sie aber nicht nur Aufschlüsse über die traditionelle jüdische Begräbnis- und Totenkultur, sondern vermitteln auch einen Eindruck, inwieweit sich die Juden im Laufe der Jahrhunderte den Sitten und Gebräuchen ihrer Umgebung angepasst hatten. So dient der vorliegende Band als wertvolle demographische Quelle für die jüdischen Gemeinden, die seit dem 18. Jahrhundert im heutigen Stadtgebiet von Bornheim ansässig waren. Eigentümer der drei historischen Areale ist heute der Landesverband der Kultusgemeinden Nordrhein, die religiöse Aufsicht hat die Jüdische Gemeinde Bonn, gepflegt werden sie von der Stadt Bornheim.

 

Die nun vorliegende Dokumentation beruht auf den Übersetzungen und Kommentaren der hebräischen Inschriften sowie auf der detaillierten Auswertung der Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden der damaligen Bürgermeistereien Hersel, Sechtem und Waldorf. So ließen sich auch familiengeschichtliche Zusammenhänge herstellen. Die Fotos stammen von den Heimatfreunden Roisdorf, verantwortlich für die künstlerische Gestaltung auf gut 250 Seiten war Reinhard Zado.

Denkmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus auf dem Bornheimer Friedhof

 

Synagoge der jüdischen Gemeinde in Bornheim, zerstört in der Progromnacht 1938

 

Für Hildegard Heimig als Initiatorin und Herausgeberin symbolisieren die Friedhöfe die persönliche Erinnerung der Einzelnen ebenso wie das kollektive Gedenken. 111 Grabmale aus der Zeit zwischen 1771 und 1938 sind heute noch auf dem Bornheimer Friedhof an der ehemaligen Jüddegaß (heute Lessingstraße) erhalten. Die nationalsozialistische Schreckensherrschaft, die Verfolgung und Ermordung von Millionen Juden hat auch dem einst blühenden Leben der Synagogen-Gemeinden im Vorgebirge ein jähes Ende bereitet. Manchmal jedoch wurden die Täter dazu gezwungen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. So ließen amerikanische Soldaten den jüdischen Friedhof von Bornheim von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern wieder instand setzen."

 

Dan Bondy/ Hildegard Heimig:

Bet Hachajim – Haus des Lebens. Die jüdischen Friedhöfe in Bornheim, Hersel und Walberberg.

Zeugnisse jüdischer Kultur im Rhein-Sieg-Kreis, hrsg. von Claudia Maria Arndt im Auftrag des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 2, 

256 S., zahlreiche Abb., Rheinlandia-Verlag, Siegburg 2004, ISBN 3-935005-80-6. 

Der Band ist zum Preis von 25 Euro im Buchhandel erhältlich.

 

 

Heimatfreunde Roisdorf mit Stadtarchivarin Hildegard Heimig bei der Buchvorstellung