Der
"Gang
zu den Sieben Fußfällen"
Eine althergebrachte Frömmigkeitsform wurde wiederbelebt
|
Allenfalls noch
vom Hörensagen bekannt dürfte den meisten von uns ein Brauch sein, der bis
etwa zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts als fester Bestandteil des
kirchlichen Brauchtums der Orte des Vorgebirges gelten konnte: der Gang zu den
„Sieben Fußfällen“. |
Gang
zu den Sieben Fußfällen in Bornheim, 1960er Jahre
|
|
Jesus fällt unter dem Kreuz, Holzschnitt aus dem Gebetbuch der Walberberger „Bruderschaft der Tod-Angst unsers am heiligen Kreuze sterbenden Heilandes Jesu Christi und seiner schmerzhaften Mutter Mariä zur Erhaltung eines seligen Sterbestündleins" von 1680
|
Vor allem als Sterbebrauch war der Gang zu den Sieben Fußfälle
verbreitet: Meist beteten auf diese Weise sieben Mädchen aus der
Nachbarschaft vor einem Begräbnis für das ewige Heil des im Sterbehaus
aufgebahrten, „auf dem Schoof“ liegenden Verstorbenen. Natürlich
wurde unterwegs der Schmerzhafte Rosenkranz gebetet, aber auch vor jeder
Station ein Vaterunser. An den Kreuzen gedachte man des Erlöserleidens
Christi mit dem bis heute in unserer Heimat gebräuchlichen Fünf-Wunden-Gebet,
weshalb auf den Wegekreuzen des Vorgebirges oft plastische Darstellungen
der Wunden Christi zu sehen sind. Nach dem Bittgang gab es für die Beter
als verdienten Lohn Kaffee und Kuchen im Trauerhaus. Dennoch waren die
Sieben Fußfälle nicht nur ein Totengebet: Besonders an den Freitagen der
Fastenzeit wurden sie gegangen. Noch für den Beginn des 20. Jahrhunderts
sind sie etwa in unseren Nachbardörfern Brenig und Bornheim als
Flurprozessionen am Palmsonntag bezeugt.
|
| In
Gielsdorf etwa haben sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts gestiftete Fußfälle
als Stationshäuschen mit Reliefdarstellungen der Leidensgeschichte bis
heute erhalten. Dort war es auch, wo der Brauch des Gangs zu den Sieben Fußfälle
vor einigen Jahren im Geiste einer erneuten Wertschätzung kirchlichen
Brauchtums wiederbelebt wurde. Diesem Beispiel folgend lud in der
Fastenzeit des Jahres 2000 der Liturgieausschuss des Roisdorfer
Pfarrgemeinderats auf Anregung der Heimatfreunde Roisdorf dazu ein, erstmals nach vielen Jahrzehnten wieder in der
Form eines Bittgangs durch das Dorf ziehen und des die menschliche Schuld
sühnenden Leidens Christi zu gedenken sowie dem Herrn das Leid der
Menschen des Dorfes anzuempfehlen. Ca. 30 Gemeindemitglieder beteiligten
sich an dem Gang, der traditionsgemäß am Marienkapellchen des Friedhofs
begann und mit der Anbetung des Allerheiligsten in der Turmkapelle endete.
Seither ist der "Gang zu den Sieben Fußfällen" wieder zu einem festen Bestandteil des kirchlichen Brauchtums in Roisdorf geworden und auch im Nachbarort Brenig findet inzwischen wieder die traditionelle "Römerfahrt" an Palmsonntag statt. |
Kapellchen
der Mutter Gottes zum Guten Rat am Roisdorfer Friedhof, 1950er Jahre |
|
Fußfallkreuz
"Auf der Lüste" 2006 |
Beim am 5. April
2006 abgehaltenen "Gang zu den
Sieben Fußfällen" stand ein besonderes Ereignis an:
Dort, wo bisher die sechste Station gemacht, des Todes des Heilands am Kreuz gedacht wurde, nämlich am Gartenausgang des Seniorenhauses St. Josef, auf dem Weg "Auf der "Lüste", fehlte bislang ein eigenes Fußfallkreuz. Man behalf sich stets mit einem dort jeweils provisorisch aufgestellten Vortragekreuz. Beim "Gang" zur Fastenzeit 2006 konnte dort ein neues steinernes Fußfallkreuz gesegnet werden. Es war von Steinmetz Thielen aus Bornheim aus Säulenteilen ehemaligen Roisdorfer Pfarrkirche St. Sebastian gestaltet worden, die man beim Abbruch 1980 aus dem Bauschutt gerettet hatte und die seither einer würdigen neuen Verwendung harrten. Die Säule wird nun gekrönt von einem ebenfalls mehr als 100-jährigen ehemaligen Grabkreuz, das für die jetzige Aufstellung bearbeitet und mit der Aufschrift "IN CRUCE SALUS - MMVI", also "Im Kreuz ist Heil - 2006", versehen wurde. Die Initiative zu der Errichtung des neuen Fußfallkreuzes ging von den Heimatfreunden Roisdorf aus, freundliche Sponsoren aus dem Ort trugen zu seiner Finanzierung bei.
|
|
Mehr
als 40 Roisdorfer nahmen an dem Gang und der von Diakon Adi Halbach
vorgenommenen Segnung des Kreuzes teil. Die Beteiligten
hoffen, dass das neue Kreuz dazu beitragen möge, die gute und
heilbringende Tradition des "Gangs zu den Sieben Fußfällen"
auch bei kommenden Generationen lebendig zu halten. |
Segnung
des neuen Fußfallkreuzes 5. April 2006 |
Gang
zu den Sieben Fußfällen jeweils am Mittwoch vor der Karwoche, 18.00 Uhr,
ausgehend von
der Pfarrkirche St. Sebastian, Roisdorf
Die Fußfallstationen:
1. Kapelle im Kirchturm (Jesus im Garten
Gethsemani)
2. Kreuzweg am Lindenberg (Jesus wird mit Dornen gekrönt)
3. Kreuz Berliner Str./ Schussgasse (Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern)
4. Kreuz in der Held (Jesus begegnet seiner Mutter)
5. Kreuz Ecke Schussgasse/ Brunnenstr. (Jesus fällt unter dem Kreuz)
6. Kreuz auf der Lüste (Jesus stirbt am Kreuz)
7. Pfarrkirche St. Sebastian (Jesus auf dem Schoß seiner Mutter)
Der Gang wird sicherlich 1 bis 1 1/2 Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Es ist natürlich allen, denen dies zu anstrengend ist, möglich, sich der Gruppe der Betenden nur für die eine oder andere Fußfallstation anzuschließen. Im Anschluss an den Bußgang lädt der Liturgieausschuss des Pfarrgemeinderats zu einer kleinen Stärkung ins Pfarrheim St. Clara.
Die Texte zu den Sieben Fußfällen finden Sie hier.