"... eines der vorzüglichsten Sauerwasser am Rhein"
Stimmen zu Roisdorf und seiner Mineralquelle aus dem 19. Jahrhundert
(Einen Abriss der fast zweitausendjährigen Geschichte des Brunnens finden Sie hier!")
Gustav
Bischof,
Die Mineralquellen zu Roisdorf bei Alfter ohnweit Bonn, Bonn 1826
(Nach den Napoleonischen Kriegen versuchten verschiedene Pächter in den 1820er Jahren, dem Brunnen neuen Schwung zu verleihen. Der Bonner Professor Gustav Bischof wurde mit der Abfassung eines mineralogischen Gutachtens beauftragt, das gleichzeitig als Werbeschrift für den Brunnen dienen sollte.)
| „Indem
sich aus allen, theils chemischen, teils medicinischen Erfahrungen das so
sehr wichtige Resultat herausstellt, dass die Roisdorfer Trinkquelle mit
vollem Recht unter die vorzüglichsten Mineralwasser Deutschlands zu
zählen sey, und in ihren Eigenschaften und Wirkungen am allernächsten
dem berühmten Selterser Wasser komme, bleibt nur noch der Wunsch übrig,
dass unser Mineralwasser auch eine baldige allgemeine Anerkennung und
Beachtung von Seiten der Aerzte finden möge.
Lage und Umgebung von Roisdorf gehören zu den freundlichsten und angenehmsten im Rheinthale. Steigt man von den Mineralquellen aus sogleich auf das Vorgebirge hinauf, so kommt man zuerst durch Wein- und Obstgärten, an welche sich ein anmuthiger Buchenwald anschliesst, der die höheren Punkte des Bergabhanges einnimmt, und in der oberen Ebene sich fortzieht ... Kommt man jenseits Roisdorf wieder aus dem Walde, so führt der Weg abermals durch Obst- und Weingärten, und man erblickt am Abhange das schöne Landgut der Frau von Wittgenstein. Die humane Besitzerin gestattet jedem Freunde der Natur den Eintritt in den mit vielem Geschmack auf dem Bergabhange angelegten Park. Man tritt in den Hof, findet ein freundliches, in einem leichten Styl erbautes Landhaus, diesem gegenüber eine aus dem Berg hervorsprudelnde von schönen Trauerweiden umgebene süsse Quelle, und in buntem Gewimmel allerlei in- und ausländisches Federvieh. Der Park, welcher sich auf der andern Seite des Landhauses in Terrassen bis in die Ebene herabzieht, enthält lieblich duftende Blumenbeete, niedliche Baumgruppen mit Kreuz- und Quergängen, Schluchten und Hohlwegen, Sommerlauben, springende Wasser u.s.w., alles sinnig und wohl geordnet, und überall freundliche Aussichten über das fruchtbare Rheinthal und das benachbarte Dorf Hersel am Rhein darbietend. Längs der rechten Seite des Parks führt von dem Landhauses ein breiter fahrbarer Weg in das Dorf hinab, und ein schöner, von hohen Pappeln beschatteter Pfad begränzt den Park an der unteren Seite. Folgt man dem von hier sich fortziehenden Weg, so gelangt man in der Ebene zu der sogenannten Wolfsburg, einem von einem Wassergraben umgebenen Landsitz mit einem Garten. Vorn hier nimmt man den Rückweg nach dem Mineralbrunnen ausserhalb des Dorfes über Wiesen und Baumgärten.“
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Mineralquelle 1826
Haus
Wittgenstein,
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Ludwig
Christian von Rößler,
Bericht über die Reise in die Bade- und Brunnenorte Aachen, Spa und Roisdorf,
1830
(Der Nassauische Generaldomänendirektor Ludwig Christian von Rößler war selbstverständlich auf den Mineralwasserabsatz des Brunnens von Niederselters bedacht und nicht zuletzt auf den Schutz der seiner Marke vor unliebsamer Konkurrenz. Er urteilte daher nicht sehr gnädig über den Roisdorfer Brunnen ...)
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dessen Wasser unter dem Namen des Alfterer Wassers verkauft wird. Das
möchte immerhin geschehen, wenn nicht fortwährend die Buchstaben
S.ALFTERS auf den Krügen zu lesen wären. Die beiden S sollen die
Täuschung und Verwechslung mit dem Selterser Wasser befördern. Es sind
darüber die bereits vorhandenen Akten zu reporduzieren, und da die Krüge
nach Roisdorf sämtlich aus unserem Lande kommen, so ist den Krugbäckern
gerade zu verbieten, mehr als das bloße Wort Alfter auf die Krüge zu
drücken. Ich sehe auch andere Krüge am Brunnen, darauf Roisdorf steht;
diese sind aber nicht im Gange.
Das Alfterer Wasser klebt im Munde und hat einen unangenehmen Beigeschmack. Nur wer das Selterser Wasser nicht kennt, kann sich täuschen lassen. Der Brunnen zu Roisdorf stehet nicht auf seiner großen Höhe; man spricht von einer vergangenen Zeit, in welcher 500.000 Krüge angesetzt worden seien. Diese Zeit will man wieder erreichen. Die Umgebung des Brunnens verrät keinen Reichtum; in der Stube des Verwalters stößt man mit dem Hut an die Decke des Zimmers. Die Nebengebäude sind verhältnismäßig schlecht. Die Quelle ist einfach in Holz gefaßt, und stehet eine Pumpe in dem nicht tiefen Schacht, womit die berechtigte Nachbarschaft füllt. Hundert Krüge kosten am Brunnen 6 Taler 10 Groschen = 11 fl. Nach der Qualität des Wassers kann dieser Brunnen ebensowenig wie der Okarbener afür die Dauer schädlich werden. Die Selterser und Fachinger Wasser sind bis jetzt noch nicht erreicht oder gar übertroffen worden."
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Mineralwasserförderung in Niederselters
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Der Begleiter der Bonn-Cölner-Eisenbahn, 1844
(Zwar dauerte die rasante Fahrt mit der 1844 neu eröffneten Eisenbahn zwischen Bonn und Köln nur 5 3/4 Stunden, doch gab man den Reisenden zur Zerstreuung einen Führer an die Hand, in welchem sie auf die zahlreichen Schönheiten und Merkwürdigkeiten der von der Bahn durchzogenen Gegend aufmerksam gemacht wurden. Hier durfte ein ausführlicher Abschnitt zu Roisdorf nicht fehlen.)
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Uniformknopf
der Bonn-Cölner-Eisenbahn,
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„Roisdorf
hat 111 Häuser und 620 Einwohner. Seine Lage am südöstlichen Abhange
des Berges schützt gegen Nord- und Westwinde und eine wasserreiche, mit
Bäumen bepflanzte Umgebung mildert die trockene Luft des Sommers. Diese
Verhältnisse haben dem Orte den Ruf eines gesunden Aufenthalts erworben.
Wenn wir die Umgebung von Roisdorf durchstreichen die freundlichen Gänge an den Höhen entlang durchwandern und in der Ebene Wiesengründe und schattige Wege begehen, so müssen wir Roisdorf auch als einen angenehmen Aufenthalt bezeichnen. Im südöstlichen Theile des Dorfes sind die bekannten Mineralquellen. Es sind deren zwei, von denen die eine die Stahlquelle, gar nicht desto stärker aber die Trinkquelle benutzt wird. Kaulen, der 1774 über dieselben eine Abhandlung schrieb, glaubt, dass sie den Römern schon bekannt gewesen sei. ... Der Geschmack des Wassers ist angenehm, ähnelt am meisten mit dem Selterschen Wasser und giebt gleich diesem mit Zucker und Wein vermischt ein äusserst liebliches Getränke. Der Betrieb des Brunnens ist nunmehr bedeutend zu nennen, indem nicht allein der Verbrauch in der Umgegend sich fortwährend vermehrt, sondern die Versendungen in ferne Länder sich immer mehr steigern. ... Freiherr von Carnap hat das Verdienst, hier wesentliche Verbesserungen und Verschönerungen hervorgerufen zu haben, und des steht zu erwarten, dass die nunmehr erhöhte Verbindung mit den Städten Bonn und Cöln ihn bewegen wird, denselben eine grössere Ausdehnung zu geben. Am Brunnen befindet sich eine Gastwirtschaft.“
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Ernst
Moritz Arndt,
Wanderungen rund um Bonn im rheinischen Land, 1844
(Der bekannte Bonner Geschichtsprofessor und Publizist Ernst Moritz Arndt, den es aus Pommern an den Rhein verschlagen hatte, liebte es, die Umgebung Bonns zu erwandern. Gerne hielt er sich im idyllischen Roisdorf auf. Das Brunnenwasser soll er aus einer nur für ihn bestimmten Porzellantasse getrunken haben.)
| „Von
Alfter steigt man ein Viertelstündchen weiter nach Roisdorf hinab, einer
berühmten Stelle, eben diesem Fürsten von Salm gehörig. Dieser
berühmte Ort, oben von Reben und Baumgärten, unten von Wiesen und
Baumwegen eingefaßt, hat eines der vorzüglichsten Sauerwasser am Rhein,
das nicht nur in Bonn und Köln und in der ganzen Gegend getrunken,
sondern auch nach Niederland und England und bis zu den beiden Indien
verführt wird: ein Wasser alten verdienten Gebrauchs und Ruhms. Diese
sind in dem jüngsten Jahrzehnt wieder geweckt und belebt worden, welches
wenigsten darin zu loben ist, daß es die Reste des Alten, worin irgend
Leben atmet, wieder aufgeweckt. Die Quelle von Roisdorf ist in den letzten
Jahren wieder frisch
angegriffen und mit einer hübschen Einfassung umgeben und gegen alle
wilden und unreinen Wasser gesichert.
Ein Verdienst des Freiherrn von Karnap auf dem nachbarlichen Schlosse
Bornheim, welcher die Quelle von dem Fürsten Salm auf hundert Jahre für
sich gewonnen hat. Das nette, romantisch gelegene Dorf verjüngt und
verschönert sich unterdessen mit Häusern und Gärten, und im
schönen Sommer leben hier manche Fremden und mehrere Sommerlustige aus
dem nahen Köln, welche die milde Luft und die Lieblichkeit der Landschaft
hieher lockt. Jetzt vollends halten die zwischen Bonn und Köln laufenden
Dampfwagen hier still. Also freue dich, Roisdorf, deiner lebendigeren,
glänzenderen Zukunft!“
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Ernst Moritz Arndt
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Von
der Heilkraft des Roisdorfer Brunnens
Gedicht vom 4. Juli 1857,
gez. Mehren
(Zwar lobt der nicht näher bekannte Besucher des Brunnens "das liebe Alfter", doch kann man den beschriebenen Ort durchaus mit Roisdorf identifizieren. Auch 1857 wirkte offenbar noch nach, dass man bis in die 1830er Jahre das Roisdorfer Wasser unter der Marke "Salm-Alfter-Sauerbrunnen" vertrieben hatte.)
Mineralquelle ca. 1840
Mineralquelle 1876
Kahnfahrt auf dem Brunnenweiher, ca. 1910
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Vier Monde sind’s,
und traurig stand Und mit der Sonne
erstem Strahl,
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Wilhelm
Custor,
Die Roisdorfer Mineralquelle 1876-1901
(Zur Erinnerung an sein 25jähriges Geschäftsjubiläum brachte im Jahre 1901 der Pächter Wilhelm Custor eine reich bebilderte Schrift zum Roisdorfer Brunnen heraus, in der er deren Geschichte resümierte und auf seine eigenen geschäftlichen Erfolge verwies. Nach Aufgabe aller gescheiterten Kurortpläne sollte sich die industrielle Förderung und Vermarktung des Brunnenwassers in der Tat als zukunftsweisend erweisen.)
| „Wohl
jedem der zahlreichen Besuchern des von der Natur so reich gesegneten
rheinischen Vorgebirges dürfte die Roisdorfer Mineralquelle bekannt sein,
versäumt doch nicht leicht ein Wanderer, welcher sich im Frühling an der
wunderbaren Blüthenpracht der Berge erfreuen will, als der altberühmten
Quelle einen Besuch abzustatten: Schulen, Turn- und Gewerkvereine, welche
die beliebten Ausflüge in das Vorgebirge machen, verfehlen fast nie, auch
die bekannte Mineralquelle zu besuchen, und von der gern gegebenen
Erlaubnis Gebrauch zu machen, die Anlagen zu besichtigen und den Durst mit
dem köstlichen Wasser direkt von der Quelle zu löschen. Die Roisdorfer
Mineralquelle blickt auf eine alte Geschichte zurück, wie sie wohl ausser
der Mineralquelle in Niederselters keine andere der bekannten
Tafelwasser-Quellen haben dürfte ...
Will man sich die heutige Entwicklung des Roisdorfer Brunnens vergegenwärtigen, so werfe man einen Blick auf die beigefügten Abbildungen, welche solche in naturgetreuer Darstellung wiedergeben. Weitere luftige und gesunde Hallen sind es, welche heute einer emsigen grossen Schaar von Arbeitern zur Ausübung ihres Werkes dienen. Ausgestattet allen Errungenschaften der Neuzeit, mit allem versehen was die Arbeit erleichtern und verbessern kann, zeigen die sämtlichen Gebäuden einen aufs Praktische und gleichzeitig auf das wohl der darin beschäftigten Arbeiter gerichteten Blick und dürfen in mancher Beziehung geradezu als mustergiltig bezeichnet werden. Die Versandziffer der Gefäße, welche sich im Jahre 1876 in sehr bescheidenen Grenzen bewegte, schwillt von Jahr zu Jahr mehr und mehr an und rechnet heute mit Millionen. Nicht allein in ganz Deutschland, sondern weit über seine Grenzen hinaus, in den fernsten Weltteilen ist heute das Roisdorfer Wasser bekannt und beliebt. Die einst fast vergessene so kostbare Quelle erfreut sich einer Berühmtheit, wie man sie früher kaum zu hoffen gewagt."
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Titelbild der Festschrift zum Firmenjubiläum 1901
Belegschaft des Brunnens zur Zeit von Wilhelm Custor
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Bernhard,
Der Roisdorfer Brunnen
(Das 25jährige Geschäftsjubiläum des Pächters Custor wurde im Jahre 1901 mit großem Aufwand gefeiert. Anlässlich des Festkommers im benachbarten Hotel-Restaurant H. Weber wurden eine Reihe von eigens zu bekannten Melodien getexteten Liedern zum Vortrag gebracht. Das folgende Lied eines Herrn Bernhard war zu singen zu der beliebten Weise "Wohlauf die Luft geht frisch und rein" - hier die Melodie.)
| „Im
Vorgebirge ist's gar schön Das muß ein Jeder sagen; Wer jemals weilt' auf seinen Höh'n, Der wird es nicht beklagen. Im Frühling prangt's in Blüthenpracht, Zart dort der Spargel sprießet. Im Grünen roth die Kirsche lacht, Der Pfirsich auch Euch grüßet. Valleri, vallera, valleri, vallera, Der Pfirsich auch Euch grüßet. Die
Erdbeer und der Veilchen Duft Das
Beste aber, was man fand, Wer
immer diese Quelle kennt Und
plaget Euch das Zipperlein, Im
ganzen weiten Erdenrund,
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Ansichtskarte mit dem Roisdorfer Brunnen um 1900
Krugstempel aus der Zeit des Pächters Wilhelm Custor
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